Die Monroe-Doktrin gilt heute und keinesfalls zu Unrecht als Prinzip der USA, den amerikanischen Kontinent einschließlich Südamerikas zu dominieren. Deshalb ist derzeit, nach dem Angriff auf Venezuela und der Entführung des Potentaten Nicolás Maduro, in Trumps Washington gern von der „Donroe-Doktrin“ die Rede, mit D wie Donald. Ganz so imperial war sie am 2. Dezember 1823 aber nicht gemeint, als US-Präsident James Monroe sie vor dem Kongress darlegte. Die USA als erste Demokratie des Westens hatten sich stabilisiert, blickten aber besorgt auf Europa. Die Alte Welt steckte wieder, nach der Niederlage Napoleons 1815, im eisernen Griff der Monarchien. Gerade erst hatten sich die Menschen in Lateinamerika vom Kolonialjoch Spaniens und Portugals befreit, doch es galt als nicht unwahrscheinlich, dass die Königshäuser versucht sein könnten, sich ihre Überseereiche mit Gewalt zurückzuholen. Präsident Monroe erklärte daher europäische Interventionen in seiner Hemisphäre für unvereinbar mit amerikanischen Interessen. Allerdings mischten sich mit diesen eher fortschrittlichen Prinzipien auch wirtschaftliche Motive. Zur Zeit des Kalten Krieges förderten die USA aus Furcht vor kommunistischen Machtübernahmen in Lateinamerika dort Militärregimes und rechte Diktatoren, deren Opfer sich oft fühlten wie in dem viel zitierten „Hinterhof der USA“. Der amerikanische Historiker Gaddis Smith schrieb treffend: „Die Monroe-Doktrin bedeutete, wie das Wort Gottes, für verschiedene Leute zu verschiedenen Zeiten viel Verschiedenes.“
GeschichtsbildVon Monroe zu Donroe

Was es mit der einst von US-Präsident James Monroe formulierten Doktrin auf sich hat.
Von Joachim Käppner