Debatte um Abtreibung:Die erzwungene Beschämung der Frau

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Debatte um Abtreibung: Wieder muss eine Frauengeneration kämpfen: Demonstrantinnen und ihre Unterstützer gingen in dieser Woche in den USA auf die Straße, hier in Washington.

Wieder muss eine Frauengeneration kämpfen: Demonstrantinnen und ihre Unterstützer gingen in dieser Woche in den USA auf die Straße, hier in Washington.

(Foto: Kevin Dietsch/AFP)

In den USA könnten Abtreibungen wieder verboten werden. Elementare Rechte, die Frauen und auch Minderheiten erstritten haben, gelten nicht als unantastbar. Sie brauchen den Rückhalt aller.

Kolumne von Carolin Emcke

"Die Zeit war keine unmerkliche Abfolge von Tagen mehr, (...) sie war zu etwas Unförmigem geworden, das sich in mir entwickelte und das es um jeden Preis zu zerstören galt", so erinnert sich die französische Schriftstellerin Annie Ernaux in dem erschütternden Text "Das Ereignis" an ihre ungewollte Schwangerschaft als junge Studentin, "ich lebte nicht mehr in derselben Welt. Es gab die anderen Mädchen mit leeren Bäuchen und mich." Es ist das Jahr 1963, Abtreibung ist in Frankreich illegal, und die Welt, die sie von den anderen unterscheidet, existiert nur in der Sprachlosigkeit. Wer gegen das Gesetz selbst entscheiden will über existentiellste Fragen, kann das nur im Wendekreis aus Tabus und Lügen tun. Wer sich um den eigenen Körper kümmern will, muss sich auf die demütigende, gefährliche, prekäre Suche nach heimlichem Wissen und mutigen Komplizen machen. "Und wie immer in solchen Fällen wusste man nicht, ob Abtreibungen verboten waren, weil sie verwerflich waren, oder verwerflich, weil sie verboten waren."

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