Impfen II:Zahlen, bitte

Es ist richtig, wenn die Länder nicht länger die Lohnfortzahlung für Ungeimpfte übernehmen wollen.

Von Wolfgang Janisch

Es wird ernst für die Ungeimpften. Zuerst hat die 2-G-Regel ihnen signalisiert, dass der Verzicht auf die Immunisierung Konsequenzen haben kann. Nun droht ihnen der Verlust der Lohnfortzahlung, sollten sie wegen eines Kontakts mit einem Infizierten in Quarantäne geschickt werden. Einige Länder haben dies bereits beschlossen, andere überlegen noch. Das kann teuer werden: Eine Quarantäne dauert bis zu 14 Tage.

Trotzdem ist es richtig, dass die Politik einen strengeren Kurs einschlägt. Erstens, um die lahmende Impfkampagne mit etwas Druck vielleicht doch wieder in Fahrt zu bringen. Und zweitens, um deutlich zu machen, was Freiheit in Zeiten der Pandemie bedeutet. Man darf sich für oder gegen eine Impfung entscheiden, also für oder gegen die Vernunft. Aber man sollte nicht voraussetzen, dass die anderen die Folgen dieser Entscheidung tragen.

Gerade beim Streichen der Lohnfortzahlung zeigt sich, dass es eben nicht um eine Impfpflicht durch die Hintertür geht. Das Beispiel illustriert, dass der Verzicht auf das Vakzin nicht nur eine Frage des persönlichen Risikos ist, sondern ein Gebrauch von Freiheit zu Lasten Dritter. Wer sich nicht impfen lässt, nimmt seine individuelle Freiheit in Anspruch - kollektiviert aber die Konsequenzen. Denn die Quarantäne-Kosten - bisher etwa 600 Millionen Euro - haben die Bundesländer erstattet. Also auch derjenige Teil der Steuerzahler, der bereits seinen Beitrag zum Schutze aller erbracht hat, durch den kleinen Piks, der den großen Unterschied macht.

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