Die Gleichung, die im Namen dieser Partei steckt, ist aufgegangen. Eine große Mehrheit der ungarischen Wählerinnen und Wähler hat am Sonntag für ein Ende der Ära Orbán gestimmt und einer recht jungen Partei zu mehr als zwei Dritteln der Parlamentssitze verholfen. Sie haben dafür gestimmt, dass nach zähen 16 Jahren Miss- und Vetternwirtschaft in ihrem Land wieder etwas ins Fließen kommt. Die Partei, die das bewerkstelligen soll, heißt Tisza (gesprochen mit scharfem „s“, nicht etwa mit „sch“), was einerseits ein Akronym aus den ungarischen Begriffen für Respekt und Freiheit ist, andererseits der Name des zweitgrößten Flusses im Land, auf Deutsch: Theiß. Gegründet wurde sie vor fünf Jahren, aber groß wurde sie erst, als der jetzige Wahlsieger Péter Magyar sich ihr vor zwei Jahren anschloss und sie zu einer Antikorruptionsbewegung ausbaute. Im Wahlkampf paddelte Magyar die Tisza entlang, seine Anhänger skandierten: „Árad a Tisza!“, die Theiß fließt. Der Fluss, unter dessen Namen jetzt die Orbán-Herrschaft weggeschwemmt wird, fließt südlich der Stadt Szeged über die Grenze nach Serbien, wo seit 2017 ein Verbündeter Orbáns als Präsident amtiert, Aleksandar Vučić.
Aktuelles LexikonWas heißt Tisza?

Name eines Flusses in Ungarn – und Name einer recht jungen Partei, die jetzt die Orbán-Herrschaft weggeschwemmt hat.
Von Tobias Zick
