Ungarn:Das Anti-Orbán-Rezept

Oppositionskandidat Péter Márki-Zay passt in kein gängiges Muster - und genau das macht ihn so gefährlich für Ministerpräsident Viktor Orbán.

Von Cathrin Kahlweit

Den Sieger der Vorwahl in der ungarischen Opposition hatte so lange niemand auf dem Schirm gehabt, dass selbst die mächtige Regierungspartei Fidesz immer noch ein wenig sprachlos ist. Doch am Ende war um Péter Márki-Zay, den parteilosen Bürgermeister einer südungarischen Kleinstadt, der nun der Herausforderer von Viktor Orbán sein wird, ein regelrechter Hype entstanden. Dem konnten sich auch viele liberale und urbane Wähler nicht entziehen. Es ist es eine Überraschung, dass es der konservative, tiefgläubige Politiker aus der Provinz geschafft hat, mehrere chancenreiche Kandidaten und die erfahrene Vizepräsidentin des Europaparlaments, Klára Dobrev, mit einem fulminanten Ergebnis aus dem Rennen zu werfen.

Fidesz und Orbán hatten sich auf Dobrev eingeschossen; sechs Monate vor der Parlamentswahl war die Kampagne gegen die Linke und ihren verhassten Mann, den früheren, sozialdemokratischen Premier Ferenc Gyurcsány, in vollem Gange. Nun keilen regierungsnahe Medien gegen Márki-Zay; auch er sei ein Gyurcsány-Mann. Mehr fällt Orban, der erstmals tatsächlich um sein Amt fürchten muss, nicht ein.

Nun muss er gegen einen Lokalpolitiker antreten, der in kein Muster passt und sogar einige der Positionen teilt, die Orbán populär gemacht haben. Viele unentschiedene und parteilose Wähler, die den korrupten Ministerpräsidenten und seine gierige Clique aus dem Amt haben möchten, konnten sich nicht für die Kandidaten klassischer Parteien erwärmen, die ihnen als ebenso verbraucht und korrupt erschienen. Márki-Zay, der erst einmal nur für sich selbst steht und nun möglicherweise eine eigene Partei gründen wird, verkaufte sich als jemand, vor dem auch enttäuschte Orbán-Anhänger keine Angst haben müssten; er gibt sich als Garant von Erneuerung und Stabilität gleichermaßen. Für den Sieg bei der Urwahl hat es gereicht. Es könnte auch gegen Viktor Orbán ein gutes Rezept sein.

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