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Syrien:Geiz ist dumm

Der Westen sollte den Syrern großzügig helfen, auch im eigenen Interesse.

Kommentar von Moritz Baumstieger

Der rhetorische Trick des UN-Nothilfekoordinators ist durchschaubar, aber inhaltlich nicht falsch: Bei der Geberkonferenz für Syrien 2014 seien nur wenig Mittel zusammengekommen, sagt Mark Lowcock, ein Jahr später habe der Westen die Quittung für seinen Geiz bekommen. Die Syrer kamen nach Europa, sie flohen vor Assad, dem IS und dem Elend in den Flüchtlingslagern.

Um das von EU und UN für die Geberkonferenz 2021 ausgerufene Spendenziel zu erreichen, ist es anscheinend nötig, mit der Angst vor neuen Menschenströmen zu spielen. Jene Regierungschefs, die sonst nicht müde werden zu betonen, man müsse Fluchtursachen bekämpfen, geben nur noch ungern Geld. Das hat etwa auch die Konferenz für Jemen Anfang März gezeigt, nicht einmal die Hälfte der erhofften Summe kam da zusammen.

Nach zehn Jahren Krieg in Syrien sind die Hoffnungen auf Veränderung passé: Assad regiert und wird auch weiter Wege finden, Teile des Geldes in seiner Kriegsmaschinerie und bei ihm treuen Bonzen versickern zu lassen. Das ist schmerzhaft, darf aber keine Ausrede sein. Die Not im Land ist für Millionen existenziell, und nicht nur dort: Der größere Teil des UN-Geldes soll in Nachbarländer wie Libanon und Jordanien gehen, wohin viele Syrer geflohen sind. Sie brauchen jede Unterstützung.

© SZ
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Syrische Flüchtlinge

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Mehr als zehn Milliarden US-Dollar seien nötig, um die Versorgung der Menschen innerhalb und außerhalb des Bürgerkriegslandes sicherzustellen. Die Bundesregierung will deutlich mehr als eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen.

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