bedeckt München 14°

Ukraine:Die bittere Wahrheit

Bedroht von Russland, will das Land in die Nato - der Wunsch ist ebenso verständlich wie aussichtslos.

Von Florian Hassel

Es ist Präsident Wolodimir Selenskij nicht zu verdenken, dass er angesichts des russischen Aufmarsches an der Ostgrenze der Ukraine das Thema einer Aufnahme seines Landes in die Nato wieder auf die Tagesordnung setzt. Aussicht auf Umsetzung hat diese Idee freilich nicht. Auch Selenskijs Behauptung, ein Nato-Beitritt werde den russischen Krieg in der Ostukraine beenden, hat nichts mit der Realität zu tun. Richtig ist eher: Es wäre nicht zum Krieg in der Ostukraine gekommen und Moskau hätte die Krim nicht besetzt, wäre die Ukraine 1999 oder bei der zweiten osteuropäischen Erweiterungswelle 2004 Mitglied der Nato geworden.

Diese historische Chance wurde vertan: aus falsch verstandener westlicher Rücksicht gegenüber den postimperialen Interessen Moskaus und auch wegen ukrainischer Unwilligkeit, das eigene Land einschließlich seines Militärs zu reformieren und auf Nato-Standards zu bringen. Auch heute ist die Ukraine noch durchdrungen von Vetternwirtschaft und Korruption.

Ein Ende des nun sieben Jahre dauernden Kriegs in der Ostukraine ist nicht in Sicht. Abseits wohlfeiler Solidaritätsadressen für Kiew denkt niemand daran, die Ukraine mit diesem ungelösten Konflikt in die Nato aufzunehmen. Daran wird sich so schnell nichts ändern, so bitter das für die Ukrainer sein mag.

© SZ/jok
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema