Aktuelles Lexikon:Blauer Haken

Er ist klein und eigentlich auch weiß, und doch von größerer Bedeutung für die Nutzer des sozialen Netzwerks Twitter.

Von Léonardo Kahn

Dass Elon Musk sich als neuer Twitter-Chef als großer Widersacher der Fake News entpuppen wird, hat niemand ernsthaft erwartet. Dass es fortan für viele Nutzer aber schwieriger sein kann, falsche von richtigen Information auf der sozialen Plattform zu unterscheiden, allerdings auch nicht. Twitter verlangt nämlich künftig in den USA monatlich acht Dollar für die Verifizierung eines Benutzerkontos. Das Verifizierungssiegel in Form eines weißen Häkchens auf blauem Hintergrund ist zwar kein Garant für die Wahrhaftigkeit einer Aussage, bestätigt aber die Echtheit des Twitter-Profils. Um den sogenannten blauen Haken zu erhalten, muss der Nutzer etwa seinen Ausweis vorlegen und seine Internetseite angeben. Der Haken ist also insofern für andere Nutzer praktisch, weil sie dadurch erkennen können, dass zum Beispiel hinter dem Profil von Politikerinnen wie Alice Weidel auch tatsächlich die AfD-Fraktionsvorsitzende steckt und keine Satire-Seite, die sich mit steilen und dubiosen Thesen über die Abgeordnete lustig macht - auch wenn Letzteres oft wahrscheinlicher erscheint. Auch wenn das Siegel bestehen bleibt, wird der Monatsbeitrag einen Einfluss auf die Plattform haben, weil viele aktive Nutzer ihr Häkchen verlieren werden und andere sich ihre Verifizierung und dadurch Einfluss auf die öffentliche Debatte erkaufen können. Twitter riskiert also, gemäßigte Nutzer und damit Werbepartner zu verscheuchen.

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