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Corona und Tourismus:Türkischer Murks

Millionen Türken leiden mehr, als sie es wegen der Seuche müssten.

Von Tomas Avenarius

Wohlwollend formuliert wirkt die türkische Corona-Politik widersprüchlich. Vergangenes Jahr pries die Regierung ihr Land als europäischen Anti-Covid-Meister an. Dann musste sie einräumen, dass die Zählweise der Infektionen unseriös und die Lage verheerend war. Eine vertrauensbildende Maßnahme war das weder für die Bürger noch für den internationalen Tourismus, der eine tragende Säule der türkischen Wirtschaft ist.

Solche Widersprüche gibt es zahlreiche. Wegen Corona wurden Alte und Kinder monatelang in den Wohnungen weggesperrt, bei der Einweihung der wieder in eine Moschee umgewandelten Hagia Sophia im Sommer aber durften die Gläubigen sich in und um das weltberühmte Gebäude drängen. Frömmler aus aller Welt reisten dazu von fern zum ersten Freitagsgebet an. Auch die Parteitage der Erdoğan-Partei waren Massen-Events. Corona? Offenbar nie gehört.

Der Tourismus - und mit ihm Millionen Türken, die von ihm leben - leidet bei alldem noch mehr, als er es wegen des globalen Ausmaßes der Seuche müsste. Betroffen sind nicht nur Resorts und Bettenburgen, sondern auch Boutique-Hotels, Restaurants und Familienbetriebe: Das Jahr 2020 musste bereits abgeschrieben werden. Es wäre den Türken zu wünschen, dass 2021 besser wird.

© SZ/kus
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