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Tschechien und Russland:Haltung zeigen

Der tschechische Inlandsgeheimdienst warnt seit Langem, dass Russlands Einfluss im Land überhandnehmen könnte. Die Politik muss endlich Konsequenzen ziehen, etwa beim Bau des neuen Meilers im Atomkraftwerks bei Brünn.

Von Viktoria Großmann

Tschechien weist russische Diplomaten aus, nachdem bekannt wurde, dass russische Agenten 2014 ein Munitionslager in Vrbětice gesprengt haben sollen. Die Maßnahme ist notwendig, aber es zeigt sich spätestens jetzt, dass es nicht die einzige sein kann. Die Bedrohung, vor welcher der tschechische Inlandsgeheimdienst seit Jahren warnt, ist real. Es ist deshalb höchste Zeit, dass die Regierung endgültig auch die Spekulation um die Beteiligung der staatlichen russischen Agentur Rosatom am Bau des neuen Meilers im Atomkraftwerk Dukovany bei Brünn beendet. Denn damit wäre weiterer politischer Einflussnahme durch Russland sowie wirtschaftlicher Abhängigkeit Tür und Tor geöffnet.

Die tschechische Regierung, eben noch bereit, einen der wichtigsten und sensibelsten Bauaufträge überhaupt an Russland zu vergeben, wird nun vom russischen Außenministerium als antirussischer Provokateur im Auftrag der USA beschimpft, weil sie "aufgrund eindeutiger Beweise", wie Premier Andrej Babiš sagte, den "begründeten Verdacht" hegt, dass russische Agenten in Tschechien zwei Menschenleben auf dem Gewissen haben und weitere in Gefahr gebracht haben. Höchste Zeit, den Schlingerkurs in den Beziehungen zu Russland aufzugeben und wirklich klare Haltung zu zeigen.

© SZ/kia
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