bedeckt München 14°

USA:Endlich

Auch das konservative Virginia hat nun die Todesstrafe abgeschafft, die nicht nur inhuman, sondern auch sozial ungerecht ist. Andere US-Bundesstaaten werden dem Beispiel folgen.

Von Reymer Klüver

William Charles Morva, gestorben am 6. Juli 2017 in der Exekutionskammer des Greensville Correctional Center, dürfte der letzte Mensch gewesen sein, der in Virgina hingerichtet worden ist. Auch dieser Bundesstaat, der 23. in den USA, hat nun die Todesstrafe abgeschafft. Gleich dreierlei macht diesen Schritt politisch bedeutsam. Zum einen ist Virginia nicht einer der urliberalen Bundestaaten im Norden, die dem barbarischen Treiben schon länger ein Ende gesetzt hatten. Minnesota etwa hatte die Strafe schon 1911 aus den Gesetzbüchern gestrichen.

Zum anderen ist Virginia der erste Staat im alten, konservativen Süden, der sich von der archaischen Praxis verabschiedet. Und es ist nach Texas der Staat in den USA, in dem seit der bundesweiten Wiederzulassung der Todesstrafe 1976 am meisten Menschen von Staats wegen umgebracht wurden: 112 Männer und eine Frau. Es waren zumeist Menschen aus problematischen sozialen Verhältnissen, zahlreiche mit mentalen Problemen und überdurchschnittlich viele Menschen schwarzer Hautfarbe.

Die Todesstrafe ist auch in den USA längst nicht mehr populär. Die "Black Lives Matter"-Bewegung hat zudem das Bewusstsein geschärft, dass die US-Justiz noch immer Nichtweiße systematisch benachteiligt. Virginia hat beidem Rechnung getragen. Andere Bundesstaaten, auch im Süden, werden folgen.

© SZ/kia
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema