Zwar war seit Tagen zu erwarten, dass er es werden würde. Dass Modschtaba Chamenei der Mann der mächtigsten Institution in Iran ist, der Revolutionsgarde, ist bekannt. Weniger offensichtlich ist, dass seine Wahl zum Obersten Führer der Islamischen Republik, zum Nachfolger seines getöteten Vaters, einem Staatsstreich gleichkommt.
Bis zuletzt hatten sich einige Kleriker gegen ihn gewehrt, jene Mitglieder des Expertenrats, die ihn auf Druck der Garde wählen sollten. Sie beriefen sich auf Ruhollah Chomeini, den Gründer des Mullah-Regimes, der jede dynastische Abfolge ablehnte. Monarchie, schrieb er mal, sei ein „böses System“, es habe „im Islam keinen Platz“. In seiner Islamischen Republik wurde das zur Staatsdoktrin.
Die Islamische Republik ist eine Militärdiktatur geworden
Nun ist nicht einmal bekannt, wie und wo und wann Chameneis Wahl im Expertenrat stattfand, in diesem Parlament der Religionsgelehrten. Es heißt, man habe einigen Mitgliedern nicht einmal Bescheid gegeben. Das mag stimmen oder auch nicht, in diesen Tagen gibt es viele Gerüchte. Klar ist, dass es keine echte Wahl war. Nicht die Kleriker bestimmten, sondern die Revolutionsgarde. Die Islamische Republik ist eine Militärdiktatur geworden, mit Chamenei als Erbverwalter, als Symbolfigur für Kontinuität.
Bisher hat sich Chamenei weder gezeigt noch zu seiner Wahl geäußert. Würde er öffentlich auftreten, müsste er um sein Leben fürchten. Israel hat angekündigt, auch ihn zu töten. Schon allein deshalb wird Chamenei der Jüngere kaum die Rolle seines Vaters übernehmen können. Fürs Erste bleibt er, was er seit Jahren ist: ein Phantom.
Und ein Symptom für ein scheiterndes, aber noch nicht gescheitertes System. Die Führung in Teheran, bestehend aus Generälen und zu Politikern gewordenen Ex-Generälen der Garde, sie will weder auf Donald Trump zugehen noch aufs eigene Volk. Das Regime hat den Krieg erwartet und ihn riskiert, weil es dachte, ihn überstehen zu können. Das glaubt es offenbar noch immer.


