MeinungKriegsende vor 80 JahrenDer 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung – aber viele wollen das heute wieder anders sehen

Kommentar von Kurt Kister

Lesezeit: 3 Min.

Berlin, vor fünf Jahren: Auf Russisch, Englisch, Französisch und Deutsch wird das Brandenburger Tor zum 8. Mai 2020 mit dem Wort „Danke“ angestrahlt. An diesem 8. Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und die Befreiung vom Nationalsozialismus zum 80. Mal – und Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine macht das Gedenken komplizierter.
Berlin, vor fünf Jahren: Auf Russisch, Englisch, Französisch und Deutsch wird das Brandenburger Tor zum 8. Mai 2020 mit dem Wort „Danke“ angestrahlt. An diesem 8. Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und die Befreiung vom Nationalsozialismus zum 80. Mal – und Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine macht das Gedenken komplizierter. Christophe Gateau/Christophe Gateau/dpa

Ein Land, das seine Geschichte abräumt, verfälschend umschreibt oder zu vergessen versucht, vergisst sich selbst. Gedenktage wie jener zum Ende der NS-Diktatur sind deshalb auch Gegenmittel gegen Geschichtsfälscher und Nationalideologen.

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Der 8. Mai 1945 war der Tag des Zusammenbruchs, der Niederlage, der Kapitulation. So jedenfalls wurde dieser Tag in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik von sehr vielen wahrgenommen, so war der Sprachgebrauch in weiten Teilen der Öffentlichkeit. Ein Tag der Befreiung? So sah ihn die offizielle DDR, wo man die Befreiung vom „Hitlerfaschismus“ vor allem durch die Rote Armee der Sowjetunion feierte. Das Gedenken war geteilt, wie so vieles in den beiden Deutschlands geteilt war. Notabene, es ist gut, wenn man heute sieht, wie vieles nicht mehr geteilt, sondern gemeinsam ist – auch wenn es weiterhin große Unterschiede gibt zwischen Ost und West. Der Alltag trägt leider dazu bei, dass der Blick für das immer noch große Glück der deutschen Vereinigung zu oft getrübt wird.

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