Südafrika:Nächte des Zorns

Durban nach den Plünderungen

Durban nach den Plünderungen.

(Foto: AFP)

Die Unruhen sind ein alarmierendes Zeichen dafür, welches Ausmaß die Staatskrise die Regenbogennation erreicht hat - und dass das Land dringend mehr Gerechtigkeit benötigt.

Von Arne Perras

Eine Spur der Verwüstung zieht sich durch große Gebiete Südafrikas. Mehr als hundert Menschen sind bei den Unruhen schon gestorben, und die anarchischen Szenen schockieren auf doppelte Weise: Zum einen hat es Gewaltausbrüche dieses Ausmaßes seit dem Ende der Apartheid nicht mehr gegeben. Zum anderen verängstigt viele Südafrikaner, wie schleppend der Sicherheitsapparat reagierte. Dass nun private Milizen Supermärkte beschützen, ist Symptom für die Schwäche eines Staates, dem die Ereignisse entglitten sind.

Was als Protest gegen die Inhaftierung von Ex-Präsident Jacob Zuma begann, hat sich zu einem Flächenbrand entwickelt, der sich wohl nicht alleine aus dem Zorn seiner Anhänger erklären lässt. Sicher ist, dass sich im jungen demokratischen Staat Südafrika sehr viel Frust aufgestaut hat, weil die Freiheit nicht dazu führte, auch die Ungerechtigkeiten aufzulösen. Verschärfend wirkt die Pandemie, die das Elend noch vergrößert.

Präsident Cyril Ramaphosa, von dem nun so viel abhängt, wirkt zögerlich und entrückt, das macht die Lage noch bedrohlicher. Wenn es stimmt, dass die Gewalt koordiniert war, wie der Staatschef nun sagt, wirft das die Frage auf: Wo waren die wachen Augen des Staates, wo die Geheimdienste? Und welche Kräfte stecken hinter der Gewalt? Südafrika hat viel aufzuräumen und muss auch den Drahtziehern schnellstmöglich auf die Spur kommen, damit sich das Staatsversagen nicht noch weiter fortsetzt.

© SZ
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