Süddeutsche Zeitung

Tarifeinigung:Was die Zukunft wert ist

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Erzieherinnen und Erzieher bekommen mehr Geld und mehr freie Tage. Das ist schon was, wenn auch vielleicht noch nicht genug.

Kommentar von Alexander Hagelüken

Diese Gewinner der Tarifeinigung für die Erzieherinnen stehen schon fest: die geplagten Eltern, denen weitere Streiks erspart bleiben. Nach zwei Jahren Dauerausfällen durch die Pandemie sind sie froh, wenn ihre Kinder in Kitas und Schulhorten betreut werden, statt die ganze Zeit zu Hause zu sein.

Viele Eltern haben trotzdem akzeptiert, dass Erzieher und Sozialarbeiterinnen in den vergangenen Wochen ihr Streikrecht wahrnahmen. Denn sie wissen, wie aufopfernd sich viele der Beschäftigten täglich um den Nachwuchs anderer kümmern. Es ist ein herausfordernder Job, physisch und psychisch. Gerade durch die Corona-Pandemie, die die Welt vieler Kinder erschüttert hat und noch länger nachwirkt. Erkennt das Tarifergebnis diesen Einsatz ausreichend an?

Misst man die Einigung daran, dass Arbeitgeber selten von sich aus mehr zahlen, haben die Gewerkschaften einiges herausgeholt. Die kommunalen Erzieherinnen bekommen zwei zusätzliche freie Tage. Wenn sie mehr Entlastung brauchen, können sie Gehalt in weitere freie Tage umwandeln. Und 130 Euro mehr im Monat bekommen sie auch.

Die Gewerkschaft Verdi tat gut daran, nicht durch eine Ausweitung der Streiks auf weitere Zugeständnisse zu spekulieren. Städte und Gemeinden schwimmen nicht im Geld. Die ursprünglichen Verdi-Forderungen hätten nach ihrer Einschätzung mehr als eine halbe Milliarde Euro gekostet. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Kommunen das Gehalt des Kita-Personals in den vergangenen Jahren doppelt so stark erhöht haben wie sonst im öffentlichen Dienst.

Trotzdem kann man bei steigenden Preisen sowie Gehältern von durchschnittlich weniger als 4000 Euro vor allen Abzügen das Gefühl bekommen, dass Erzieherinnen besser entlohnt werden könnten. Die nächste Auseinandersetzung darüber, was uns die Zukunft der Kinder wert ist, kommt Anfang 2023, in der Lohnrunde für den öffentlichen Dienst.

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