Dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier wird nachgesagt, dass er kein großer Redner sei, dass er keine bedeutenden Reden halte. Das ist falsch. Das ist ein Vorurteil. Steinmeier hat wunderbar geschichtsmächtige Reden gehalten, zum Beispiel zum hundertsten Jubiläum der deutschen Revolution von 1918. Er holte die demokratischen Revolutionen von 1918 und auch die von 1848 heraus aus der Abstellkammer der Demokratiegeschichte. Und er fand bewegende und aufrüttelnde Worte zum 75. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. Aber ihm fehlt die Verve, ihm fehlt die radikale Zärtlichkeit, ihm fehlt die kompromisslose und leidenschaftliche Konsequenz, wenn es um die Verteidigung der Demokratie im Jahr 2025 geht.
MeinungPrantls Blick:Steinmeier preist die wehrhafte Demokratie, ist aber selbst nicht wehrhaft genug

Von Heribert Prantl
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Dem Bundespräsidenten fehlt in seiner Rede zum 9. November die radikale demokratische Zärtlichkeit. Er sagt zwar richtigerweise, dass es mit Extremisten keinerlei politische Zusammenarbeit geben dürfe. Er scheut aber das klare Wort zu einem Parteiverbot.
