Konjunktur:Hauptsache Mut

Die deutsche Wirtschaft stagniert. Kann sein, dass alles noch ganz schlimm wird. Muss aber nicht.

Kommentar von Marc Beise

Mit den Fachbegriffen zur Konjunktur ist es eine Qual: Inflation, Stagnation, Stagflation, Rezession - klingt alles sehr bedrohlich. Deutschland hat, so viel steht fest, ein betrüblich schwaches zweites Quartal hingelegt, wie das Statistische Bundesamt am Freitag bestätigte. Die Wirtschaftsleistung stagniert, nicht mehr und nicht weniger.

Ja, das ist zu wenig für die hochgezüchtete deutsche Wirtschaftsnation, die auf stetes Wachstum ausgelegt ist. Nein, Anlass zu Panik besteht nicht, selbst wenn bedeutende Volkswirte wie der Ifo-Präsident Clemens Fuest Deutschland "an der Schwelle zur Rezession" sehen. Dass die Wirtschaft nachhaltig schrumpft, ist nicht ausgemacht. Noch ist das Bild erfreulich uneinheitlich: Die von der Pandemie belasteten Dienstleistungsbranchen haben sich zuletzt sogar erholt, die meisten Konsumenten haben noch Job und Ersparnisse, viele Unternehmen verfügen über hohe Auftragsbestände - sie können schnell reagieren, wenn die Zeiten wieder besser werden. Ob sie das werden, hängt von Krieg, Gas und Geldpolitik ab: Bereiche, die die deutsche Regierung nur schwer beeinflussen kann. Aber die Politik kann Zeichen setzen, indem sie gut kommuniziert, geräuschlos führt und den Unternehmen hilft, wo es unbedingt sein muss. Das macht die Ampel bisher gar nicht schlecht. Deutschland im Krisenmodus funktioniert.

Das eigentliche Problem ist, dass sich die Erwartungen zuletzt so deutlich eingetrübt haben. Wenn Gesellschaft und Unternehmen den Mut verlieren, dann erst steht es wirklich schlecht ums Land.

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