Als junges Mädchen spazierte ich einmal mit meiner Freundin Gelareh durch Bonn, und zwei erwachsene Männer, die damit ein Problem hatten, bewarfen uns mit Steinen. Das war Anfang der 90er-Jahre, ich war etwa zwölf Jahre alt. Wir rannten davon, sie rannten hinterher. Ich versuche, mich zu erinnern: Was empfand ich in dem Moment, was danach? Doch da klafft nur eine Lücke. Ich erzählte niemandem davon, selbst Gelareh und ich sprachen nicht darüber. Wir waren einfach losgerannt, und als die Männer abgelassen hatten, gingen wir normal weiter, als sei nichts passiert. Ich schätze, ich wollte, dass nichts passiert war. Lange verdrängte ich dieses Erlebnis. Lange behauptete ich, keinen nennenswerten Rassismus erfahren zu haben.
Meinung„Stadtbild“-Debatte:Ahnt der Kanzler, was seine Worte bei vielen von uns auslösen?
Kolumne von Nava Ebrahimi
Lesezeit: 4 Min.

Die letzte Kolumne vor vier Wochen schrieb ich noch in dem Gefühl, in meinem Land selbstverständlich dazuzugehören. Dann kam Friedrich Merz – und auch nach seiner Präzisierung spüre ich: Da bröckelt etwas in mir weg.
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