Wer schnell handeln muss, greift auf Bewährtes zurück. So muss es gewesen sein, als die Bundesregierung in diesen Tagen das „Kraftstoffpreisanpassungsgesetz“, kurz KPAnG, entwarf. Bewährt heißt in dem Fall: Man setze mehrere Wörter zusammen und erschaffe auf diese Weise ein neues – eine Eigenart der deutschen Sprache. Wenn es in der aktuellen Weltlage darum geht, wann Mineralölkonzerne künftig noch die Kraftstoffpreise an deutschen Tankstellen anpassen dürfen, dann ist das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz quasi schon geschrieben, oder besser: der Kraftstoffpreisanpassungsgesetzesentwurf. Dabei gab es schon ambitioniertere Wortketten, wie etwa das „Rinderkennzeichnungsfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“, kurz RkReÜAÜG. Dieses Ungetüm hat sogar einen englischsprachigen Wikipedia-Eintrag. Die Faszination der deutschen Sprache entfaltet sich eben weltweit. Eigentlich müsste das Kraftstoffpreisanpassungsgesetz „Billiger-tanken-Gesetz“ heißen, in der Tradition des „Gute-Kita-Gesetzes“. Ach so, nein, das heißt auch „Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Verbesserung der Teilhabe in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege“. Kurz KiQuTG.
Aktuelles LexikonKraftstoffpreisanpassungsgesetz

Seit dem Krieg in Nahost steigen die Preise an den deutschen Tankstellen.
Katharina Kausche/dpaEin neues Gesetz muss her und ein neuer Name? Da bietet die deutsche Sprache endlose Möglichkeiten.
Von Nakissa Salavati
