SPD:Gesucht: der doppelte Müntefering

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SPD: Norbert Walter-Borjans Rückzug vom SPD-Vorsitz stellt die Sozialdemokraten vor die Frage: welche Qualitäten braucht sein Nachfolger?

Norbert Walter-Borjans Rückzug vom SPD-Vorsitz stellt die Sozialdemokraten vor die Frage: welche Qualitäten braucht sein Nachfolger?

(Foto: AFP)

Norbert Walter-Borjans' Rückzug vom Vorsitz ist respektabel, stellt die Sozialdemokraten aber vor die Frage: Wie steht die Partei zur Regierung?

Kommentar von Nico Fried, Berlin

Misst man das Verhältnis von Amtsdauer zu Erfolg, geht Norbert Walter-Borjans als bisher erfolgreichster Parteichef in die Geschichte der SPD ein. In nur zwei Jahren an der Spitze half er, die Partei aus der Krise ins Kanzleramt zu hieven. Dabei war es Walter-Borjans höchstselbst, der das Loch, in dem die SPD saß, zeitweilig für so tief erachtete, dass er sogar die Aufstellung eines Kanzlerkandidaten für verzichtbar hielt. Nun steht Olaf Scholz kurz vor der Übernahme der Regierung.

Die meist uneitle Art, in der Walter-Borjans die Partei neben Saskia Esken führte und in der er nun Jüngeren Platz macht, ist respektabel. Aber der Verzicht auf Wiederwahl stellt die SPD früher und weitgehender als erwartet vor die Frage, wie das Verhältnis von Partei zu Regierung künftig gestaltet werden soll. Das Beispiel von 1998/99, als die Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft keine fünf Monate gut ging, hängt dräuend im historischen Bewusstsein der SPD, auch wenn man die Egos von Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine kaum mit denen heutiger Akteure vergleichen kann.

Gesucht wird jetzt ein Franz Müntefering in jung: eigener Kopf, persönliche Autorität, aber loyal und mit Freude an der Macht - am besten in doppelter Ausfertigung als Mann und Frau. Nicht die Schlacht um den Parteivorsitz vor zwei Jahren, sondern der Burgfriede danach ist jetzt das Maß aller Dinge in der SPD. Anderenfalls tritt schon Walter-Borjans' Nachfolger wieder so zurück, wie es zuletzt üblich war: nach kurzer Zeit und wegen Misserfolg.

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Norbert Walter-Borjans (l), Olaf Scholz und  Saskia Esken in Berlin.

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