Friedenspolitik:Schuld und Verantwortung

Der Aufruf mehrerer Persönlichkeiten zur Russlandpolitik geht an der Sache vorbei.

Von Daniel Brössler

Der 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion ist ein guter Anlass, um an deutsche Verantwortung zu erinnern. Deutsche Soldaten haben an den Menschen in der früheren Sowjetunion grauenhafte Verbrechen begangen. Die deutsche Vernichtungswut hat tiefe Spuren hinterlassen - in Russland, in der Ukraine und in Belarus. Viel zu lange sind die meisten dieser Spuren von Deutschen übersehen worden.

So groß die deutsche Verantwortung ist, so wenig lässt sie sich nach Belieben teilen. Sie gilt nicht nur Russen, sondern auch Ukrainern, Belarussen und den Angehörigen der anderen Völker der einstigen Sowjetunion. Und so sehr die deutsche Verantwortung gebietet, alles zu tun für den Frieden, so wenig kann das bedeuten, vor der aggressiven und, ja, oft kriegerischen Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin die Augen zu verschließen.

Die Initiatoren eines neuen Aufrufs rund um die einstige Grünen-Politikerin Antje Vollmer wollen, wie sie sagen, Frieden stiften. Sie haben vollkommen recht, dass das die Maxime deutscher Politik sein muss. Über eine nach innen wie außen von Repression und Gewalt geprägte Politik des Kreml hinwegzusehen, aber ist kein Beitrag dazu. Vor allem wird es auch der deutschen Verantwortung nicht gerecht.

© SZ/de
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