Prozess in München:Freispruch für einen "mutmaßlichen Mörder"

Lesezeit: 1 min

Er darf jetzt nach Hause, heim nach England: der 70-jährige Angeklagte im Münchner "Silvestermord"-Prozess. (Foto: Niklas Treppner/dpa)

So geht Rechtsstaat: Das Landgericht schickt einen Mann nach Hause, von dessen Unschuld es eigentlich nicht überzeugt ist.

Kommentar von Detlef Esslinger

Zu den Begriffen, die leicht so dahergesagt werden, gehören die "Unschuldsvermutung", oder dass jemand der "mutmaßliche Mörder" sei. Das Prinzip der Unschuldsvermutung soll einen "mutmaßlichen" Mörder vor Vorverurteilung retten. Aber es ist auch eine Fiktion. Würden Staatsanwaltschaft und Gericht jemanden eher für unschuldig halten, gäbe es ja keinen Prozess gegen ihn. Und wenn Medien nur "mutmaßlicher" Mörder schreiben, nehmen sie gleichwohl dessen Schuld vorweg, jedenfalls im Unterton. Das Etikett wird man auch nach einem Freispruch kaum los.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusLandgericht München
:Freispruch im "Silvestermord"-Prozess

"Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit" hat Joseph W. im Jahr 1978 einen Rentner in Obergiesing erschlagen, urteilt das Schwurgericht. Doch da letzte Zweifel bleiben, ist der Angeklagte nun frei.

Von Susi Wimmer

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: