Diese Disziplin im Angesicht der Katastrophe: Wolodimir Selenskij hat eine der wohl schwierigsten und bedeutendsten Reden an das eigene Volk gehalten. Was der ukrainische Präsident in dieser Rede getan hat, war, die eigene Niederlage und die seines Volkes zumindest nicht rundweg als inakzeptabel abzulehnen. Und damit sein Volk auf diese Niederlage, die der von den USA und Russland ausgearbeitete 28-Punkte-Plan in seiner aktuellen Form bedeuten würde, vorzubereiten. Wenn man ihm beim Reden zusieht, sieht man die Schmerzen, die Überwindung, die er aufbringen muss. Man sieht die existenzielle Aufgewühltheit. Nichts davon ist aus ihm herausgebrochen, er hat die Contenance bewahrt. Selenskij stand vor einer scheußlichen Wahl: Ist es besser, das Unrecht hinauszuschreien und so das eigene Ende zu beschleunigen? Oder dazu zu schweigen und sich so ein langsames Ende zu erkaufen?
MeinungKrieg in der UkraineEin Plan, der das Böse belohnt – und über den die Ukraine dennoch nachdenken sollte

Kommentar von Sebastian Gierke
Lesezeit: 3 Min.

Wolodimir Selenskij bereitet sein Volk auf die Niederlage vor, die die 28 Punkte bedeuten würden. Doch solange die ultimative Entscheidung nicht gefallen ist, bleibt Hoffnung.