Süddeutsche Zeitung

Schweiz:Zeit des Erwachens

Die Schweiz ist in vielen Bereichen ein Musterschüler unter den Staaten. Das könnte ein Grund dafür sein, dass sie die Corona-Pandemie nun so massiv trifft.

Von Isabel Pfaff

Auch wenn die Kurve der Neuinfektionen endlich nach unten zeigt: Die Corona-Pandemie wütet in der Schweiz so heftig wie in nur wenigen anderen europäischen Ländern. In den Krankenhäusern zeigt sich die Trendumkehr noch nicht, und so ist die Lage in vielen Spitälern mehr als ernst. Am Dienstag meldeten die Intensivmediziner des Landes, die von ihnen zertifizierten Intensivbetten seien alle belegt. Jeder und jede solle sich Gedanken machen, ob man im Fall eines schweren Verlaufs lebensverlängernde Maßnahmen wünscht. Das erleichtere die Entscheidungsfindung auf den Intensivstationen.

In der Schweiz, Musterschülerin in vielen Bereichen, auch bei der Bewältigung der ersten Pandemie-Welle, ist in den vergangenen Monaten etwas gewaltig schiefgelaufen. Wahrscheinlich hängt das eine mit dem anderen zusammen: Die Schweizer sind es so gewöhnt, dass die Dinge bei ihnen besser laufen als anderswo, dass sie die Warnungen - etwa der beratenden Covid-Taskforce der Regierung - nicht ernst genug nahmen.

Im Frühsommer zu früh gelockert, im Herbst zu spät angezogen - das dürfte die Formel sein, die die Schweiz zum Hotspot gemacht hat. Umso rascher sollte die Regierung gegensteuern und das öffentliche Leben für ein paar Wochen herunterfahren. Der Preis ist sonst hoch: noch mehr schwer Kranke und Tote.

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