Man stelle sich vor, die CDU, die Christlich Demokratische Union Deutschlands, operierte das Christliche aus ihrem Namen und nennte sich fortan, sagen wir, Die Schwarzen. Ein Aufschrei ginge durchs Land, die Glocken läuteten. Das wäre ein Verrat, hieße es allenthalben, an der Geschichte der Partei und an den Werten, die ihren Wählern heilig sind. Mehr noch, es gälte als perfider Marketing-Move, um ein paar Stimmen zu ergaunern.
Doch genau dies wagen nun die Schweizer Christdemokraten. Nach dem erklärten Willen ihrer Mitglieder soll die CVP künftig Die Mitte heißen. Die Wählerbasis schrumpft, da kann ein neuer Anstrich nicht schaden. Auch inhaltlich ist es konsequent. Die CVP operiert exakt im Zentrum des Parteiensystems: Kapitalismus ja, aber sozial und nachhaltig; Migration ja, aber nicht zu viel; Souveränität ja, aber ohne das Land zu isolieren. In gewisser Hinsicht ist sie die schweizerischste, weil am stärksten auf Kompromiss gebürstete Partei in der Konkordanzdemokratie.
Und wenn man ehrlich ist, wird der religiöse Bezug in den sogenannten christlichen Parteien längst mehr behauptet als gelebt. Ist die CDU-Politik "christlicher" als andere? Wie viele Mitglieder der CDU-Führung gehen sonntags noch in die Kirche? Jedenfalls sollte die Partei schauen, wie es den Schweizer Freunden jetzt so ergeht.