Landwirtschaft:Das System ist die Pest

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Die Afrikanische Schweinepest erreicht Niedersachsen und damit das Zentrum der deutschen Fleischproduktion. Der drohen ihre industriellen Formen nun zum Verhängnis zu werden.

Von Michael Bauchmüller

Die Afrikanische Schweinepest geht ihren Weg Richtung Westen, zäh, unerbittlich. Zäune entlang der polnischen Grenze haben sie nicht aufhalten können, auch keine Jagdprämien, um mehr Wildschweine zu erlegen: Sie gelten als wichtigster Überträger der Krankheit. Seit diesem Wochenende ist die tödliche Tierseuche auch in Ställen im Emsland amtlich nachgewiesen - und damit im Herz der deutschen Schweinehaltung. Hunderte Sauen und Ferkel müssen nun gekeult werden. Das aber dürfte erst der Anfang sein. Im Umkreis des betroffenen Betriebs leben Hunderttausende Schweine. Wenn "leben" mal überhaupt der richtige Begriff ist.

Denn im System der deutschen Schweinehaltung werden Tiere nicht geboren, genährt und aufgezogen, sie werden produziert. Diese Produktion ist von A bis Z durchrationalisiert, andernfalls wären die Preise für Schweinefleisch kaum so niedrig. Störfälle wie eine Schweinepest sind in diesem System nicht vorgesehen, umso härter wird es dadurch getroffen. Je größer die Betriebe, desto mehr Tiere fallen einem Ausbruch zum Opfer. Und tückisch, wie dieses Virus ist, wird es sich in einer Schweineregion wie dem Emsland weiter verbreiten; schon durch die hochspezialisierte, transportintensive Wertschöpfungskette, in der ein Betrieb für die Ferkel sorgt und der nächste für deren Aufzucht.

Dass dieses System über Jahrzehnte hinweg so gewachsen ist, heißt nicht, dass es naturgegeben so sein muss. Im Gegenteil. Die Zuchtbedingungen machen es anfälliger für Seuchen aller Art, und das auch in ökonomischer Hinsicht. Die Umweltfolgen in Form hoher Gülleeinträge und belasteter Grundwasserkörper sind unübersehbar. Und ein Menschenrecht auf billiges Schweinefleisch gibt es auch nicht. Weniger Tiere auf demselben Platz, mehr frische Luft und Auslauf, das alles finanziert über eine Tierwohlabgabe von den Verbrauchern - gute Vorschläge gibt es längst. Deutschland sollte seine Bestände dezimieren, bevor es die Schweinepest tut.

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