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Schule in der Pandemie:Nur noch 18 Tage

Coronavirus - Schulen bereiten Präsenzunterricht vor

Test, Maske, Schreibheft: Schule in Coronazeiten.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

In Berlin wird heftig über Wechsel- oder Präsenzunterricht gestritten. Dabei beginnen in wenigen Wochen die Ferien. Ein Plädoyer für mehr Vernunft.

Kommentar von Jan Heidtmann, Berlin

Sandra Scheeres hat in ihrer zehn Jahre währenden Karriere als Berliner Schulsenatorin einiges wegstecken müssen. Sie hat oft mindestens glücklos agiert, weshalb die Kritik an ihr häufig berechtigt war. Doch der Widerstand, der ihr gerade entgegenschlägt, ist unangemessen, eher noch unverantwortlich. Das gilt insbesondere für Berlins Wahlkämpfer, von denen einige im Herbst gerne Regierende Bürgermeister werden würden. Aber der Reihe nach.

Scheeres hat sich festgelegt, dass die Kinder bis zum Beginn der Schulferien in Berlin im Wechselunterricht bleiben sollen. Einen kompletten Schulbetrieb, also Präsenzunterricht in vollen Klassenstärken, soll es bis dahin nicht mehr geben. Dazu muss man erst einmal wissen, dass die Ferien in Berlin am 24. Juni beginnen. Es geht also um 18 weitere Schultage, über die in der Stadt derzeit diskutiert werden, als handele es sich um eine Lebensentscheidung.

Die Schulsenatorin begründet ihre Vorgabe trotz sinkender Inzidenzwerte auf unterschiedlichen Ebenen. Am stärksten wirken dabei zwei Argumente: Den Unterricht vom Wechselmodell auf volle Präsenz umzustellen, kostet Zeit. Denn es ist doch etwas anderes, die Innenräume von Restaurants zu öffnen, als die Schulen insgesamt. Stundenpläne müssten umgestellt werden, der Unterricht müsste neu organisiert werden - wieder einmal. Und es bräuchte ein strafferes Corona-Testregime, zwei Abstriche in der Woche genügen dann nicht mehr. Das alles vor dem Hintergrund eines funktionierenden Wechselmodells. Scheeres würde die Zeit lieber nutzen, um den vollen Präsenzunterricht für das kommende Schuljahr vorzubereiten.

Hinzu kommt, dass viele Lehrer noch nicht geimpft sind, das gilt besonders für die weiterführenden Schulen. Tom Erdmann, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin, erinnert an die Kritik an Großraumbüros und sagt: "Es macht überhaupt keinen Sinn, über volle Klassenzimmer nachzudenken, denn die sind nichts anderes als Großraumbüros für Schüler und Lehrkräfte." Die GEW ist nicht allein damit, Scheeres zu bestärken. Deren Vorgehen wird von der Linken unterstützt, aber auch vom Landesschulbeirat, in dem Eltern, Lehrer und Schüler vertreten sind.

Das hindert die Spitzenkandidaten der anderen Parteien jedoch nicht, Scheeres Entscheidung massiv zu kritisieren. Kai Wegner von der CDU spricht von der "Sehnsucht nach Normalität im Schulbetrieb", Bettina Jarasch von den Grünen will zumindest vollen Präsenzunterricht für alle Grundschüler und SPD-Bürgermeisterkandidatin Franziska Giffey verlangt von der eigenen Parteikollegin Scheeres, "die Entscheidung zu überdenken".

Der Hintergrund für diese Aussagen mag die aufrichtige Sorge für Kinder und Jugendliche sein. Denn sie gehören klar zu den Verlierern dieser Pandemie. Um so mehr sollten sich die Spitzenkandidaten nicht dem Verdacht aussetzen, das Schicksal der Schüler für Wahlkampfzwecke zu nutzen.

Ein Vorschlag zur Güte könnte ja der sein: In einer guten Woche ist Notenschluss in Berlin. Weshalb treffen sich die Kinder dann nicht in der Schulzeit in voller Klassenstärke und unternehmen etwas gemeinsam? Freibad, Wandern, Sport, solche Sachen. Ach so, ja, den Vorschlag hatte die Schulsenatorin schon gemacht. Egal. Der Streit muss weitergehen, sind ja noch 18 Tage Zeit.

© SZ/ihe
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