Schleswig-Holstein:Die Wohlfühl-Koalition

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Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) wird wohl alsbald nur noch einen Partner zum Regieren brauchen. (Foto: Fabian Bimmer/Reuters)

Das Jamaika-Bündnis aus CDU, FDP und Grünen unter Führung von Daniel Günther ist derart beliebt, dass es sich wohl nach der Wahl selbst abschaffen kann.

Kommentar von Peter Burghardt

Jamaika war früher nicht der erste Gedanke im Zusammenhang mit Schleswig-Holstein. Aber da oben haben ein Mann und sein Bündnis erstaunlich Karriere gemacht. Vor fünf Jahren schickte die CDU ihren damals wenig bekannten Oppositionsführer Daniel Günther nur deshalb ins Rennen, weil der ursprüngliche Spitzenkandidat abgesprungen war. Jetzt ist er der populärste Ministerpräsident Deutschlands, wird die Landtagswahl am Sonntag voraussichtlich haushoch gewinnen und braucht allem Anschein nach bald nur noch einen Partner.

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Die Umfragen vermitteln zunehmend den Eindruck, als würde Günthers Union vor lauter Zustimmung für Schwarz-Grün-Gelb künftig einer der beiden Jamaikaner reichen. Jamaika ist demnach so beliebt, dass es sich möglicherweise selbst zerlegt. Im Bund dagegen fanden die drei Farben der Karibikinsel nicht einmal zusammen, obwohl mancher Mensch aus CDU, Grünen und FDP in Berlin vermutlich immer noch vom Reggae träumt. Darunter ist wahrscheinlich Friedrich Merz, der sich nach dem Saarbrücker Debakel dank Daniel Günther immerhin auf einen parteipolitisch angenehmen 8. Mai freuen darf. Obwohl dieser mutmaßliche Wahlsieger Günther der Kanzlerin Angela Merkel näherstand als Merz. Wie hat dieser Daniel Günther das alles zwischen den Meeren geschafft? Und: Was macht er jetzt?

Vom Gärtner bis zum Börsianer - das Bündnis kann fast jedem etwas bieten

Zur ersten Frage könnte man sagen, Günther hat sehr geschickt die Gunst der Stunde genutzt. Er wurde vielleicht auch wegen seiner jugendlichen Erscheinung unterschätzt. Er hat drei machtfreudige Parteien zusammengeführt, um den Preis von Kompromissen. Da ist dann für die meisten Wähler vom Gärtner bis zum Börsenberater etwas dabei. Günther ließ, anders als vorher die SPD, außerdem kaum das Gefühl aufkommen, mit Juniorpartnern zu regieren. Das Trio scheint in diesem einst zerstrittenen Bundesland trotz aller Meinungsverschiedenheit sogar freundschaftlich miteinander umzugehen, jedenfalls vertrauensvoller als in Berlin.

Dabei war es für den Regierungschef keineswegs von Nachteil, dass sich zwischen den Meeren praktisch jeder kennt und Alphatiere wie Ralf Stegner, Wolfgang Kubicki und Robert Habeck in die Hauptstadt weitergezogen sind. Den Grünen scheint es bei Günthers CDU besser zu gefallen als vorher bei der an Nord- und Ostsee inzwischen abgestürzten SPD. Obwohl ihnen eine Ampel unter ihrer Leitung gefiele.

Manchmal agierte das Bündnis weniger dynamisch als einschläfernd

Doch manchmal war Jamaika vielleicht auch zu harmonisch und eher einschläfernd als dynamisch. Beim Klimaschutz bremsten CDU und FDP die Grünen. Bei Nahverkehr und Löhnen ist das Urlaubsland immer noch rückständig, auch wenn jetzt alle auf den wundersamen Aufstieg durch Energiewende und Wasserstoff hoffen.

Das bedingt die zweite Frage. Wer bleibt an der Seite von Günthers CDU? Die naheliegende Kombination wäre die mit den Grünen, zusammen hätten sie eine wuchtige Mehrheit. Zumal sich die Grünen mit ihrer Vize-Ministerpräsidentin und Finanzministerin Monika Heinold im früher chronisch defizitären Schleswig-Holstein auch Respekt im Umgang mit Geld erworben haben. Die Grünen müssten sich mit der CDU auf einen weiteren Spagat einlassen, mit LNG-Terminal und Autobahn A 20, beides missfällt der Grünen-Basis. Aber sie müssten Günthers künftig übermächtige Union dafür bei Windkraft, E-Mobilität und sozialem Ausgleich vorantreiben. Günthers Motto "Kurs halten" genügt in diesen Zeiten nicht.

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