Süddeutsche Zeitung

Schleswig-Holstein:Freunde auf Zeit

Aus einer Neuauflage des Jamaika-Bündnisses in Kiel wird nichts. Schlimm ist das nicht, denn der Wille der Wählerinnen und Wähler ist eindeutig.

Kommentar von Peter Burghardt

Es muss sich nun wirklich niemand wundern, dass es mit Jamaika in Schleswig-Holstein nichts mehr wird. Das war bereits vor der Landtagswahl abzusehen, und sehr deutlich wurde das Ende angesichts der Zahlen. Zwar hätten CDU, Grüne und FDP fortan eine noch größere Mehrheit als vorher. Aber ihre Mehrheit wäre eben zu groß: 53 Sitze Regierung, 16 Sitze Opposition, das tut keinem Parlament gut. Und es reicht halt auch für CDU und Grüne oder CDU und FDP.

Wenn die Zahl der Abgeordneten also für zwei Parteien genügt, dann ergibt ein Trio ohnehin wenig Sinn, auch wenn es vorher funktioniert haben mag. Ausnahmen bestätigen die Regel: In Sachsen-Anhalt holte sich CDU-Ministerpräsident Rainer Haseloff SPD und FDP ins Kabinett, obwohl er nur einen von beiden bräuchte, weil er seiner eigenen Fraktion nicht immer vertrauen kann. Das ist im deutschen Norden anders. Dort kann sich der Wahlsieger Daniel Günther auf seine Union verlassen.

Entsprechend wirkte sein Werben für eine Fortsetzung von Jamaika wie eine Kür. Klar, für Günther wären zwei Juniorpartner diesmal bequem, weil er jeweils nur einen für Abstimmungen gebraucht hätte. Auch sollte sein Jamaika für einen unaufgeregten Politikstil stehen. Aber so weit geht die Nostalgie dann doch nicht, Jamaika war mehr Zweckbündnis als Freundschaft. Günther ist populär, seine CDU hat zwischen den Meeren klar gewonnen. Der zweite Gewinner sind die Grünen, zu den Verlierern zählt die FDP. Gewählt wurde ziemlich eindeutig Schwarz-Grün, das könnte Günther ruhig sagen.

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