Es gibt Orte, die kennen viele, weil sie schon mal da waren, und es gibt Orte, die kennen alle, aber nur als Vokabel: Krombach, Waterloo, Wanne-Eickel, Schengen. Aber wo liegt eigentlich jeweils der reale Ort, wie sieht’s dort aus? Im Fall von Schengen handelt es sich um eine Gemeinde von 3000 Einwohnern im Südosten von Luxemburg. Es gibt dort ein Schloss aus dem 13. Jahrhundert. Bis vor 40 Jahren war sie vor allem als Weinbauort bekannt, 16 Winzerbetriebe gibt es dort weiterhin. Aber es ist weniger die Wein- als die Grenzlage, der Schengen inzwischen seine Berühmtheit verdankt: Geht man über die Moselbrücke und dann vielleicht 100 Meter nach links, ist man in Deutschland; 200 Meter nach rechts, und man ist in Frankreich. Einen geeigneteren Ort für ein Abkommen übers grenzenlose Europa konnte es kaum geben, deshalb wurde es am 14. Juni 1985 hier unterzeichnet. Am Wochenende wird im Dorf groß gefeiert. Laut Programm tritt um 14 Uhr „op der Place des Étoiles“ der irische Sänger Johnny Logan nicht alleine auf, sondern „zesumme mat der Militärmusek“. Das ist Lëtzebuergesch, also Luxemburgisch, so spricht man in Schengen; neben Deutsch und Französisch ist es in Luxemburg die dritte Amtssprache.
:„Es geht nur europäisch“ – Jean Asselborn über die Europawahl und die Zukunft der EU
Der langjährige Außenminister Luxemburgs spricht über ein Europa im Wandel: Welche europäischen Werte, die so oft behauptet werden, werden tatsächlich gelebt? Und welche gehen womöglich verloren oder werden derzeit angegriffen?