Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman gibt sich als Modernisierer des konservativen Königreichs. Tatsächlich hat er das Fahrverbot für Frauen kassiert. Selbst an das archaische System der männlichen Vormundschaft legt er Hand an. Beides galt vor wenigen Jahren als undenkbar. Damals jagte die Religionspolizei Jugendliche, die gegen die strenge Geschlechtertrennung verstießen. Heute können sie Konzerte und Kinos besuchen.
Es erscheint widersinnig, dass der Thronfolger brutal gegen Aktivistinnen vorgeht, die eine gesellschaftliche Öffnung fordern, die er vorgeblich selbst will. So wurde jetzt die Frauenrechtlerin Loujain al-Hathloul zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Das zeigt: Der Prinz lehnt politische Teilhabe ab. Er gewährt Freiheiten - und kann sie wieder nehmen. Mohammed bin Salman weiß, dass der Gesellschaftsvertrag kollabieren wird, der den Untertanen ihre politische Entmündigung mit Rundumversorgung entgilt. Denn die Öl- und Gasvorräte bringen wegen des Preisverfalls nicht mehr genug Geld, um die schnell wachsende Bevölkerung zu alimentieren.
Seinen absoluten Machtanspruch will er durch maximale Repression erhalten. Er rückt von dieser Linie nur ab, wenn er schmerzhaften Druck befürchtet, wie bald aus Washington. Erklärungen aus Berlin dagegen, die nicht vom Außenminister oder der Kanzlerin kommen, beeindrucken in Riad niemanden.