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Sachsen:Brachial

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer provoziert SPD und Grüne. Offenbar hat er keine Lust mehr auf politische Verantwortung.

Von Antonie Rietzschel

Die SPD ist für den Aufstieg der AfD verantwortlich, die Grünen können nix - der CDU-Politiker Michael Kretschmer hat nach dem Erfolg seiner Partei in Sachsen-Anhalt und der bevorstehenden Bundestagswahl in den Kampfmodus geschaltet. Brachial drischt er in einem Interview auf zwei Parteien ein, mit denen er in Sachsen koaliert. Als Kretschmer 2017 aus dem Bundestag flog, beerbte er Stanislaw Tillich als Ministerpräsident. Der hatte sich nach dem Wahlerfolg der AfD zurückgezogen. Zur Landtagswahl zwei Jahre später tourte Kretschmer mit der Botschaft durchs Land: Wer eine starke AfD verhindern will, muss mich wählen. Und das taten Nichtwähler, aber auch überzeugte Grüne, Linke und SPDler. Kretschmer stand für eine junge, neue CDU in Sachsen, die es endlich schaffte, rechtsextreme Tendenzen klar zu benennen.

In Sachsens erster Kenia-Koalition krachte es von Anfang an, doch man hielt zusammen. Gerade in der Corona-Pandemie wollte keiner einen Bruch riskieren. Jetzt, wo die Impfquoten steigen, es nur noch wenige Einschränkungen gibt und die CDU in Sachsen-Anhalt unfassbare 37 Prozent erreicht hat, provoziert Kretschmer seine Koalitionspartner, anstatt sich ein Beispiel zu nehmen an seinem Kollegen Reiner Haseloff. Auch der musste die vergangenen Jahre in Sachsen-Anhalt eine Kenia-Koalition anführen. Er tat das moderierend, erst im Wahlkampf teilte er gegen SPD und Grüne aus. Haseloff ist ein Vernunftmensch, Kretschmer ein Impulsmensch, der nach Lust und Laune handelt. Und gerade hat er offenbar keine Lust mehr auf politische Verantwortung.

© SZ/kia
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