Nun ist es wenigstens ausgesprochen und für jeden offensichtlich: Es ging in Sachsen-Anhalt nie um 86 Cent. Die Frage, ob der Rundfunkbeitrag um dieses Sümmchen angehoben werden soll, war für etliche in der CDU des Landes nur ein Vehikel, um eine ganz andere Frage zu klären. Im Interview in der Magdeburger Volksstimme hat am Freitag Holger Stahlknecht, der Vorsitzende und nun entlassene Innenminister, deutlich gemacht, dass er seine Partei zur AfD hin öffnen will. Er erklärte, die Position seiner Partei im 86-Cent-Streit sei "nicht verhandelbar". Sollte die Koalition mit SPD und Grünen darüber platzen, "käme es zu einer CDU-Minderheitsregierung". Womit schon deshalb alle Pläne offenbart sind, weil zu deren Tolerierung nur die AfD bereitsteht.
Alles nicht zu fassen: Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Stahlknecht her - so muss man es doch bei der AfD empfinden. Eine Woche nach einem quasi selbstmörderischen Parteitag bietet ein CDU-Landeschef ihr die Reha an. Und mitten in der zweiten Welle der Corona-Pandemie setzt dieser Politiker alles daran, eine bestehende Regierung zu sprengen; was kratzt ihn so ein Virus?
Aber so wie es nicht um 86 Cent geht, geht es auch nicht bloß um Sachsen-Anhalt. Friedrich Merz, der sich CDU-Vorsitz und Kanzleramt zutraut, unterstützte Stahlknecht diese Woche im Rundfunkstreit. Die Mehrheiten im Landtag kennend, stellte Merz sich dumm - er sagte, die Meinung der AfD sei "vollkommen unwichtig". Der CDU steht eine äußerst finale Klärung bevor.