Rheinland-Pfalz:Jammern gilt nicht

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Der Rücktritt von Innenminister Roger Lewentz ist richtig. Die Worte zur Begleitung seines Schritts sind falsch.

Kommentar von Detlef Esslinger

Warum der Mainzer Innenminister Roger Lewentz keine andere Wahl als den Rücktritt hatte, brachte er am Mittwoch gegen Ende seines Auftritts zum Ausdruck - obwohl das, was er da sagte, nicht als Begründung, sondern als Dank angelegt war: an seine Familie, "die mit mir leidet".

134 Menschen verloren im Juli 2021 an der Ahr ihr Leben, Abertausende ihre materielle Existenz. In deren Fall von Leid zu sprechen, wäre im Grunde eine Untertreibung. Dem Minister Lewentz steht indes nichts bevor außer dem Verlust eines Amtes. Wenn es um Leid geht, würden die Opfer der Flut von Herzen gern mit Familie Lewentz tauschen. Es war nicht die erste misslungene Bemerkung des Politikers; neulich im Landtag redete er ein Polizeivideo aus der Katastrophennacht damit klein, "keine eingestürzten Häuser, keine Toten, keine verstopften Brücken" sehen zu können. Der Stress kritischer Fragen hat bei Lewentz dazu geführt, dass er sich als der Zyniker präsentierte, der er gar nicht ist. Unabhängig von der Frage, ob dieser eigentlich mitfühlende Mensch mit seinem Rücktritt auch dafür einstehen muss, dass Untergebene ihm in der Flutnacht das Polizeivideo nicht schickten: Wem als Minister regelmäßig die Worte entgleiten, der redet sich um sein Amt. Das ist nicht nur in Rheinland-Pfalz so, Lewentz gibt es selbst zu.

Die SPD hätte den Rücktritt gern vermieden. Ihre Regierung beruht auf zwei Grundlagen: der Solidität und dem Charisma von Ministerpräsidentin Malu Dreyer sowie der Organisationskraft von Lewentz; in seinem weiteren Amt als SPD-Landeschef leitete er seit Jahr und Tag die Wahlkämpfe. Nun steht auch seine Nachfolge in der Partei zur Klärung an - und damit wohl zugleich die von Dreyer in vier Jahren. Das hätte die SPD sich lieber noch eine Zeitlang erspart. Sie bewies am Mittwoch ebenfalls ein Talent fürs falsche Wort. "Für uns ist heute kein einfacher Tag", erklärten Lewentz' Vizes; schriftlich. Soll das Volk von der Ahr nun zum Trösten kommen?

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