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Regensburger Domspatzen:Ein bisschen Emanzipation

Die Regensburger Domspatzen gründen einen Mädchenchor. Es ist der erste Schritt, das Patriarchat in der Kirche zu überwinden. Zumindest musikalisch.

Von Reinhard J. Brembeck

"Ewer weiber lasset schweigen vnter der Gemeine / Denn es sol jnen nicht zugelassen werden / das sie reden / sondern unterthan sein": So formuliert in der Luther-Übersetzung von 1533 der Hardcore-Theologe Paulus einen der befremdlichsten Sätze der Kirchengeschichte. Katholizismus und Frauen, das geht bis heute nicht zusammen, deshalb gibt es keine Berufspriesterinnen (die Protestanten sind da weiter). Aber jetzt tut sich etwas in Regensburg.

Das "Weib" hatte jahrhundertelang auch als Sängerin in der Kirche zu schweigen. Um aber auch die hohen, engelsgleichen Stimmlagen anbieten zu können, sangen Männer im Falsett, wurden jahrhundertelang Jungen auch für den Gottesdienst kastriert. Ein Überbleibsel dieser religionspatriarchalischen Tradition sind die wegen ihres Timbres beliebten "Knabenchöre", die trotz ihres Namens auf Männer in Bass und Tenor angewiesen sind. Einer der berühmtesten, die Regensburger Domspatzen, geht jetzt ein wenig mit Emanzipation und Zeit. Sie öffnen ihr Gymnasium für Mädchen, gründen einen Mädchenchor, der auch im Gottesdienst singen soll.

Eine Vermischung von Mädchenchor und Jungenchor im Gottesdienst, Heiliger Zölibatius hilf!, ist (erst mal?) nicht angedacht, soll aber künftig in Konzerten außerhalb möglich sein: endlich ausgeschwiegen.

© SZ/fzg
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