Aktuelles Lexikon:Realitätsverlust

Ein Begriff aus der Medizin, der oft in der Politik Verwendung findet.

Von Werner Bartens

Malu Dreyer hat angefangen. Im Laufe des Montags bekam die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz allerdings immer mehr Gesellschaft von Politikern und Journalisten, die bei Armin Laschet die akute Verdachtsdiagnose Realitätsverlust stellten. Dass der gewesene Kanzlerkandidat aus dem desaströsen Wahlergebnis für sich und die Union irgendwie einen Auftrag zur Regierungsbildung ableitete und es dann doch nicht so gemeint haben wollte, irritierte das Publikum. Realitätsverlust bezeichnet das Unvermögen, das eigene Denken und Handeln mit der realen Welt und dem Handeln und Denken seines Umfelds in Einklang zu bringen. Betroffene sind oft zeitlich und räumlich desorientiert und sich nicht der Lage bewusst, in der sie sich befinden. Die Symptome kommen unterschiedlich stark ausgeprägt bei psychischen Erkrankungen oder in Extremsituationen vor. Menschen, die an einer Psychose oder Schizophrenie leiden, wird oft Realitätsverlust attestiert. Drogen, Alkohol, Mangel an Nahrung oder Flüssigkeit können ebenfalls dazu führen. Manchmal sind auch traumatische Erlebnisse der Auslöser. Künftig müssen verlorene Wahlen vermutlich auch als mögliche Ursachen diskutiert werden; zumindest wenn es nach jenen geht, die sich - quasi im Vorbeigehen - eine solche Diagnose zutrauen; selbst wenn sie keine Ärzte sind.

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