Wie Blitze, die vom Himmel über Lwiw zucken, sieht es aus, wenn sich die Gefechtsköpfe ihren Weg zur Erde bahnen. Russland hat zum zweiten Mal seit Ende 2024 eine Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik – russisch für Haselnussbaum – gegen ein Ziel in der Ukraine eingesetzt. Die etwa 40 Tonnen schwere, wahrscheinlich zweistufige Rakete nutzt Mehrfachsprengköpfe. Das bedeutet, dass sie mehrere sogenannte Wiedereintrittskörper transportiert, die unabhängig voneinander auf individuellen Bahnen ausgesetzt werden. Diese waren es, die man über Lwiw (Lemberg) als einzelne Lichtblitze sehen konnte. Die Oreschnik ist Experten zufolge die erste und einzige einsatzfähige ballistische Rakete mit dieser sogenannten MIRV-Technik, die auch mit nicht-nuklearen Sprengköpfen bestückt werden kann. Oreschnik, entwickelt zwischen 2008 und 2018, verfügt über eine maximale Reichweite von etwa 5500 Kilometern und liegt damit am unteren Ende dessen, was auch Interkontinentalraketen erreichen. Sie fliegt nach russischen Angaben mit Hyperschallgeschwindigkeit, was aber, anders als von Wladimir Putin behauptet, nicht bedeutet, dass sie nicht abgefangen werden kann. Die USA vermuten, dass Russland nur über eine „Handvoll“ dieser Raketen verfügt.
Aktuelles LexikonWas ist eine „Oreschnik“?

Es ist zunächst nur das russische Wort für Haselnussbaum. Aber auch der Name einer ballistischen Rakete, wie sie gerade über Lwiw niedergegangen ist.
Von Sebastian Gierke