Gipfeltreffen in Teheran:Putin auf Partnersuche

Lesezeit: 1 min

Besuch im Iran: Wladimir Putin, Ebrahim Raisi und Recep Tayyip Erdoğan 2022 in Teheran

Vereint im Misstrauen gegenüber dem Westen: Russlands Präsident Wladimir Putin mit seinem iranischen Amtskollegen Ebrahim Raisi und Recep Tayyip Erdoğan in Teheran.

(Foto: Sergei Savostyanov/dpa)

Iran, Russland und die Türkei eint das Misstrauen gegenüber dem Westen. Sie können und wollen alle voneinander profitieren. Für die Kurden, Syrer und Ukrainer ist das gefährlich.

Kommentar von Dunja Ramadan

Als US-Präsident Joe Biden vor wenigen Tagen im Nahen Ostern unterwegs war, betonte er, die Region nicht Russland und China überlassen zu wollen. Eine Antwort folgte prompt: Wladimir Putin reist ihm nun praktisch hinterher. Der Besuch in Iran ist sein zweiter Auslandsbesuch seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine, und eine Demonstration an den Westen: Ich habe immer noch Einfluss in der Region und Partner, auf die ich zählen kann.

Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist mit von der Partie. Iran, Russland, Türkei: Die drei Einflussmächte in Syrien arbeiten seit Jahren eng zusammen, im Astana-Format verhandeln sie über Syriens Zukunft. Doch sie eint noch mehr: ihr Misstrauen gegenüber dem Westen. Westliche Sanktionen treffen nun sowohl Russland als auch Iran. Der Krieg in der Ukraine birgt also auch das Potenzial, diese Staaten enger zusammenrücken zu lassen.

Der Türkei kommt als Nato-Mitglied eine Sonderrolle in dem Trio zu. Präsident Erdoğan hat seine eigene Agenda: Er will die beiden Einflussmächte von seinem Einmarsch in Nordsyrien überzeugen. Er will die dort herrschende Kurdenmiliz YPG vertreiben und syrische Geflüchtete in der Türkei umsiedeln. Dafür braucht er vor allem Russlands Okay, Moskau unterstützt die syrische Regierung in Damaskus. Erdoğans Chancen stehen nicht schlecht. Putin braucht gerade vor allem Partner, die ihm aus der Isolation helfen, ihm eine Bühne geben, ihn empfangen. Feinde hat er genug.

Auch der Ukrainekrieg steht auf der Agenda. Die USA befürchten, dass Russland Kampfdrohnen bei den Iranern bestellt haben könnte. Welchen Schaden iranische Drohnentechnologie anrichten kann, zeigen die Angriffe auf Anlagen in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Gipfeltreffen in Teheran verheißt also nichts Gutes: weder für die Kurden noch für die Syrer, und auch nicht für die Ukrainer.

Zur SZ-Startseite

Treffen in Iran
:Putin knüpft in Teheran neue Allianzen

Bei seiner ersten Auslandsreise seit Kriegsbeginn berät Russlands Präsident mit seinen Kollegen aus Iran und der Türkei.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB