Wladimir Putin sorgt sich um die deutsche Rechtsstaatlichkeit. Der Präsident wirft der Bundesregierung vor, Indizien gefälscht zu haben, um Russland die Schuld an der Drohnenattacke von Leipzig zuzuschieben. Und er liefert auch gleich eine Erklärung. Kanzler Friedrich Merz habe das Vertrauen der Bürger verloren, davon wolle er ablenken. Wäre die Angelegenheit nicht so fürchterlich ernst, man müsste lachen. Der Gewaltherrscher, der seine Justiz zum Mordinstrument gegen Regimegegner geformt hat, der mit Lügen einen Angriffskrieg rechtfertigt und soziale Netzwerke mit Desinformationen flutet, spielt die Unschuld aus Moskau.
Putin ist Oberbefehlshaber des russischen Schattenkrieges gegen Deutschland. Dieser Krieg zielt darauf ab, Spaltungen zu vertiefen, Zweifel zu säen und Unsicherheit zu verbreiten. Das kurzfristige Ziel besteht darin, die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben. Langfristig zielt Putin auf Deutschland als demokratische Führungsmacht in Europa. In seinem hybriden Krieg ist nicht Sprengstoff die mächtigste Waffe, sondern die größtmögliche Verunsicherung. Wenn ein Teil der Bevölkerung Putin für glaubwürdiger hält als die eigene Regierung – perfekt. Wenn ein anderer Teil Angst bekommt wegen der russischen Bedrohung – ebenfalls.
Deutschland befindet sich, wie Innenminister Alexander Dobrindt sagt, nicht im Krieg. Wohl aber befindet es sich in der Grauzone einer kriegerischen Auseinandersetzung. Der Ausgang dieses Konflikts entscheidet sich nicht an einer sichtbaren Front, sondern in deutschen Wohnzimmern. Alle Drohnenabwehr nützt nichts, wenn es Friedrich Merz und seiner Regierung nicht gelingt, den Menschen das Ausmaß der Bedrohung klarzumachen, ohne sie in Panik zu versetzen. Der Kanzler muss sich in dem Feld beweisen, auf dem er bisher wenig Geschick zeigte – der Kommunikation.


