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Portrait undefined Matthias Kolb

Von Matthias Kolb

Lesezeit: 2 Min.

Ute Grabowsky/Imago

Angela Merkels Marathon-Mann in Brüssel.

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Es sei "vielleicht ein bisschen unüblich", sagte Angela Merkel nach dem wohl letzten EU-Gipfel des Jahres, aber sie wolle sich auch bei "unserem deutschen Botschafter" bedanken. Dieser habe viel dazu beigetragen, "die großen Herausforderungen" während der deutschen Ratspräsidentschaft zu bewältigen, lobte die Bundeskanzlerin. Das sieht man in Brüssel auch so. Es sei ein "Glücksfall", dass Deutschland in dieser extrem schwierigen Phase die Geschäfte führte, sagen Diplomaten, und daher alles bei Michael Clauß zusammenlief.

Schon als der 59 Jahre alte Hannoveraner im Sommer 2018 von Peking nach Brüssel kam, um die Leitung der ständigen Vertretung bei der EU zu übernehmen, war vieles auf die sechsmonatige Ratspräsidentschaft ausgerichtet. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs von 250 auf 400, die Pläne waren gründlichst vorbereitet - und wurden im April über den Haufen geworfen.

Die "Corona-Präsidentschaft" erforderte neben neuen Prioritäten, nämlich der Bekämpfung der Pandemie und ihrer Folgen, ein "ständiges Krisenmanagement und Improvisieren", sagte der parteilose Diplomat jüngst in der Landesvertretung Baden-Württemberg. Der Erfolg sei erst "auf den letzten Metern" gelungen: Mitte Dezember gaben Ungarn und Polen ihr Veto gegen das 1,8-Billionen-Paket aus Corona-Hilfen und EU-Haushalt auf. Zudem einigten sich die Staats- und Regierungschefs auf ein ambitioniertes Klimaziel für 2030.

Als Botschafter in Peking half er, Ai Weiwei nach Berlin zu holen

Dass Clauß am Wochenende gern 30 Kilometer am Stück läuft und daher über Ausdauer verfügt, hat ihm ebenso geholfen wie seine EU-Erfahrung. 1997 kam er erstmals beruflich nach Brüssel, 2002 leitete er beim EU-Konvent, der eine Verfassung für die Union ausarbeitete, das deutsche Sekretariat. Von Berlin aus bereitete er Merkels erste Ratspräsidentschaft 2007 vor, später übernahm er die Europaabteilung im Außenministerium. 2013 wechselte er als Botschafter nach Peking, half mit, dass der Künstler Ai Weiwei nach Berlin ausreisen durfte - und sah den Aufstieg der Volksrepublik und das wachsende Selbstbewusstsein aus nächster Nähe. Noch heute informiert sich der vierfache Vater ständig über China; von Mitarbeitern aus der Pekinger Zeit ist zu hören, dass er nachts Bücher und Studien verschlang.

Für Clauß und sein Team bedeutete die Ratspräsidentschaft eine mindestens sechstägige Arbeitswoche: Am Sonntagnachmittag wurden die nächsten Sitzungen geplant, unter Wahrung der Hygiene-Vorschriften und stets dokumentiert auf Twitter. Die Botschafter der 27 EU-Staaten treffen sich weiter physisch. Die "Coreper"-Sitzungen, wie sie im EU-Jargon heißen, sind in der Corona-Zeit noch mehr als sonst Dreh- und Angelpunkt der Politmaschinerie, denn bei virtuellen Treffen der Fachminister können keine rechtlich bindenden Beschlüsse getroffen werden. Unter Clauß' Leitung waren die Sitzungen straff geführt, endeten stets pünktlich und begannen zur Not auch um 7.30 Uhr.

Der deutsche EU-Botschafter redet gerne Klartext

Der Sohn eines Bundeswehr-Generals musste nach dem 91-Stunden-Gipfel im Juli über dessen Beschlüsse mit dem Europaparlament verhandeln - auch über den Rechtsstaatsmechanismus zum Schutz des EU-Budgets. Manch harsche Kritik von Abgeordneten oder Journalisten nahm er sportlich. Dass für alle akzeptable Ergebnisse herauskamen, lag daran, dass Clauß das Vertrauen der Mitgliedstaaten genießt und nie um den heißen Brei herumredet. "Auch ein Diplomat muss sich klar ausdrücken, damit das jeweilige Gegenüber weiß, was geht und was nicht", sagte er in der baden-württembergischen Landesvertretung auf die Frage nach seinem Geheimnis.

In einer anderen Diskussion, dieses Mal mit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, wurde daran erinnert, dass Merkel gesagt hatte, die Ratspräsidentschaft habe "Freude gemacht". Die Reaktion von Michael Clauß: "Ich bin erleichtert, dass sie in knapp zwei Wochen vorbei ist."

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