Angelina Jolie:"Dies ist ein echter Weckruf für die Welt"

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Angelina Jolie: Wenn irgendjemand weiß, wie man mit Öffentlichkeit umgehen muss, dann Angelina Jolie.

Wenn irgendjemand weiß, wie man mit Öffentlichkeit umgehen muss, dann Angelina Jolie.

(Foto: Massimo Insabato/picture alliance/dpa/Mondadori P)

Im Überschwemmungsgebiet in Pakistan hilft die Schauspielerin durch ihre Präsenz. Für die Privilegierten daheim hat sie eine Botschaft.

Von David Pfeifer

"Angelina Jolie, humanitäre Helferin, Aktivistin und Hollywood-Star, traf in Pakistan ein, um die von den Überschwemmungen betroffenen Familien zu unterstützen", meldete das pakistanische Magazin The Dawn am Mittwoch, und nannte die Aufgaben von Jolie in genau dieser Reihenfolge. Damit sind die Leidenschaften der 47-jährigen Oscar-Preisträgerin im Jahr 2022 wohl akkurat beschrieben.

Jolie flog mit dem Hubschrauber nach Dadu in der besonders beschädigten Provinz Sindh. Am Tag darauf besuchte sie das Nationale Koordinationszentrum für Hochwasserschutz. Es ist ihr dritter Besuch in Pakistan, nachdem eine Katastrophe das Land heimgesucht hat. Durch die Sturzfluten der vergangenen Wochen und das Hochwasser sind bereits 1559 Menschen gestorben, mehr als 33 Millionen haben vermutlich ihre Existenzgrundlage verloren.

Laut einer Pressemitteilung des Internationalen Rettungskomitees (IRC) wollte Jolie sich ein Bild von der Situation vor Ort machen. "Die Klimakrise zerstört Leben und Zukunft in Pakistan, mit schwerwiegenden Folgen insbesondere für Frauen und Kinder", erklärte die pakistanische IRC-Direktorin Shabnam Baloch, "die wirtschaftlichen Verluste, die durch die Überschwemmungen entstehen, werden wahrscheinlich zu Ernährungsunsicherheit und einer Zunahme der Gewalt gegen Frauen und Mädchen führen." Jolie sagte zunächst nichts, sie lenkte die Aufmerksamkeit auf die Anliegen des IRC.

Wenn irgendjemand weiß, wie man mit Öffentlichkeit umgehen muss, dann Angelina Jolie. Sie wurde 1975 in Los Angeles als Tochter des Schauspielerpaars Marcheline Bertrand und Jon Voight geboren. Sie hat Blockbuster gedreht ("Tomb Raider", "Maleficent") und kleine, schwierige Filme selbst produziert und inszeniert. Vor ihrer schmutzigen Scheidung von Brad Pitt, die weltweit von der Klatschpresse begleitet wurde, war sie bereits mit den Kollegen Johnny Lee Miller und Billy Bob Thornton verheiratet, mit Letzterem besonders skandalträchtig. Das Paar trug das Blut des jeweils anderen in einer Phiole um den Hals. Sie adoptierten ein Waisenkind aus Kambodscha, Jolie behielt nach der Scheidung das alleinige Sorgerecht.

Jolie hat die Aufmerksamkeit der Welt immer und nutzt das für andere

Auch mit Brad Pitt adoptierte sie ein Kind aus Vietnam. Im Jahr 2006 bekamen Jolie und Pitt die erste leibliche Tochter, exklusive Fotos nach der Geburt verkauften sie für 4,1 Millionen US-Dollar an das US-Magazin People. Den Erlös verdoppelte das Paar und spendete ihn für wohltätige Zwecke. Angelina Jolie machte auch die chirurgische Entfernung ihrer Brüste öffentlich, um auf die vermeidbaren Gefahren von erblichem Brustkrebs aufmerksam zu machen.

Bei Menschen wie Jolie ist schnell der Schmähbegriff des "White Savior" zur Hand - als "weiße Retter" bezeichnet man Privilegierte aus der westlichen Welt, die weniger privilegierten Menschen helfen, um sich selbst ein gutes Gewissen und ein strahlendes Image zu verschaffen. Die Frage ist nur, was daran schlecht ist, wenn man bedenkt, dass die große Mehrheit der Privilegierten weltweit weder spendet noch hilft, sondern lieber weiter konsumiert. Jolie hingegen konfrontiert sich seit Jahren mit dem Elend dieser Welt und nutzt ihre Berühmtheit, um die Aufmerksamkeit darauf zu lenken.

"Wir erleben zur Zeit, dass die Länder, die der Umwelt weniger Schaden zufügen, die Hauptlast der Katastrophe, der Schmerzen und des Todes tragen müssen", sagte Jolie, nachdem sie die überschwemmten Gebiete besucht hatte. "Ich bin absolut auf ihrer Seite, wenn es darum geht, die internationale Gemeinschaft zu drängen, mehr zu tun." Angelina Jolie verstärkte damit die Hilferufe der Hilfsorganisationen, einen persönlichen Vorteil hat sie von solchen Auftritten nicht - aber eine Botschaft für die Privilegierten daheim: "Dies ist ein echter Weckruf für die Welt, dass der Klimawandel nicht nur kommt, sondern bereits da ist."

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