Aktuelles Lexikon:Portokasse

Früher gab es sie in vielen Firmen, heute vor allem noch als Teil einer Redewendung.

Von Caspar Busse

In vielen Behörden und Unternehmen war es früher üblich, eine eigene Kasse für laufende kleinere Ausgaben zu unterhalten. Unbürokratisch konnte daraus bezahlt werden, zum Beispiel das Porto für Briefe, Postkarten oder Telegramme. In dieser sogenannten Portokasse befanden sich oft nicht nur einige Münzen und kleinere Geldscheine, sondern auch Briefmarken. Abgerechnet wurde diese Kasse der Einfachheit halber meist pauschal, ohne detaillierten Nachweis der Einzelbeträge. Inzwischen werden aber keine Telegramme mehr und auch immer weniger Briefe und Postkarten verschickt, zudem wird immer seltener in bar bezahlt. Die Portokasse mit ihren Geldmünzen ist deshalb in sehr vielen Unternehmen verschwunden. Aber sie lebt weiter - in der Redewendung "etwas aus der Portokasse zahlen". Annalena Baerbock, die Kanzlerkandidatin der Grünen, hat gerade im SZ-Interview zur Frage der Finanzierung der hohen Kosten für Klimaschutz, Sozialprogramme und Gesundheitswesen gewarnt: "Das wird aus der Portokasse nicht gehen." Gemeint hat sie: Die notwendigen Summen sind so groß, dass sie nicht einfach nebenbei bezahlt werden können. Baerbock schlägt deshalb unter anderem vor, Steuerbetrug stärker zu bekämpfen, den Spitzensteuersatz zu erhöhen und die Vermögensteuer wieder einzuführen.

© SZ/kia
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