Michael Leiters liebt schnelle Autos. Nicht nur als Manager, sondern auch als Fahrer. Er sitzt gerne selbst am Steuer, mag es, das Gaspedal durchzudrücken und schnell zu beschleunigen. Leiters gilt als „Racer“, als dynamisch, schnell, präzise. Nun wird er neuer Porsche-Chef. Anfang kommenden Jahres wird er Oliver Blume, 57, an der Spitze des Stuttgarter Sportwagenbauers ablösen, Blume bleibt gleichzeitig Chef des Volkswagen-Konzerns – und damit oberster Boss von Leiters.
Wer Leiters kennt, beschreibt den 54-Jährigen als analytischen und strategischen Manager, als verlässlich und kompetent und als einen, der durchgreifen kann. Und natürlich versteht er etwas von Technik, ist sportwagenaffin, kennt das Unternehmen Porsche aus früherer Zeit. Er ist jünger als Vizechef Michael Steiner, der auch gehandelt wurde, und er ist erfahrener als Stefan Weckbach, der VW-Konzernstratege.
Und Leiters gilt nicht gerade als Fan von Elektrosportwagen, das war schon so, als er noch Technikchef bei Ferrari war. Als Porsche schon am elektrischen Taycan arbeitete, 2019 war das, sagte Michael Leiters: Die Technik sei noch nicht weit genug. Batteriefahrzeugen fehle der Motorsound, ihre Reichweite sei zu gering. Bei Ferrari musste Leiters nach acht Jahren wohl auch gehen, weil er bei der Transformation hin zu E-Autos bremste. Das wurde ihm dann auch in seinem nächsten Job als Chef von McLaren zum Verhängnis, den er bis April 2025 nur knapp drei Jahre machte. Damals sagte er der Welt: Der Verbrennungsmotor werde im Supercar-Segment noch lange eine Rolle spielen.

Das gleiche Problem hat Porsche beim elektrischen Taycan. Der Wert eines Verbrenner-Porsches steigt über die Zeit, der Taycan aber verliert schneller an Wert, als er beschleunigt. Dabei setzte Oliver Blume einst große Hoffnungen in den neuen Antrieb, den er als überlegen ansieht. Bis 2030 wollte er 80 Prozent batteriebetriebene Autos verkaufen. Ein Ziel, das er längst einkassiert hat, weil kaum jemand einen vollelektrischen Porsche haben will.
Also entschied Blume, wieder mehr auf den Verbrenner zu setzen, jetzt werden Benzinermodelle, für die eigentlich keine neue Generation geplant war, doch noch mal überarbeitet. Das kommt dem neuen Porsche-Chef Leiters wohl entgegen. Der ist eher ein Petrol-Head, einer mit „Benzin im Blut“. Elektromotoren sind für ihn eine Ergänzung, bei McLaren pushte er vor allem den Hybridantrieb. Aber, eines ist auch klar: Bei Porsche muss er die Transformation vorantreiben, ob er will oder nicht. Denn Blume hat ihm eine detaillierte Modellstrategie hinterlassen, eine, die weiter auf E-Autos setzt.

Der Weg in die Zukunft ist also schon vorgezeichnet: Wenn Leiters den Chefposten übernimmt, muss er das abarbeiten, was Blume ihm hinterlassen hat. Es gibt leichtere Startbedingungen für einen Chef. Porsche verkauft immer weniger Autos, in den ersten drei Quartalen 2025 waren es 212 509 Fahrzeuge und damit sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn rutschte allein im ersten Halbjahr um fast drei Viertel ab. Das liegt an der Wirtschaftskrise in China, die den Käufern dort die Lust auf Sportwagen verdarb, am Zoll-Chaos in den USA und an der versemmelten Elektrostrategie.
Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch trauen dem neuen Chef den Job zu, ohne dieses Vertrauen geht in Zuffenhausen gar nichts. Die Eigentümer kennen Leiters schon. Nach Maschinenbaustudium und Promotion war er schon mal 13 Jahre lang bei Porsche, bis 2013. Damals arbeitet er unter anderem als Assistent des damaligen Vorstandschefs Wendelin Wiedeking und galt als dessen „Ausputzer“, als Mann fürs Grobe.
Leiters hat also schon ein mal den Umbruch bei Porsche mitgestaltet. Er verantwortete die Entwicklung des Cayenne, des ersten SUV von Porsche – eine Revolution, die im Unternehmen und bei den Fans für Diskussionen sorgte. Heute ist der Cayenne das meistverkaufte Modell von Porsche.

