Porsche:Der Preis für einen Mythos

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Geht der Sportwagenbauer an die Börse, profitieren davon vor allem die Familien Porsche und Piëch, nicht aber die neuen Anteilseigner. Aber wen stört das schon?

Kommentar von Caspar Busse

Im Spielcasino gibt es das geflügelte Wort: "Die Bank gewinnt immer." Denn was auch immer die Spieler tun, langfristig steht die Spielbank besser da. Auch bei Volkswagen gibt es eine solche Regel, und die lautet: Die Eigentümerfamilien, also die Porsches und Piëchs, gewinnen immer.

Das gilt auch beim gerade laufenden Börsengang von Porsche. Es ist einer der größten in Deutschland seit der Deutschen Telekom vor mehr als 25 Jahren. Wenn die neuen Anteilseigner in Aktien an dem Sportwagenbauer investieren, dürfen sie zwar gerne viel Geld abliefern, mitreden werden sie aber nicht. Verkauft werden nämlich nur sogenannte Vorzugsaktien, die über keine Stimmrechte verfügen. Das Sagen wird auch künftig VW haben, und damit die milliardenschweren Familien Porsche und Piëch, deren Vorfahre Ferdinand Porsche das Unternehmen einst gründete. Dazu kommt, dass sie sich über komplizierte Transaktionen auch noch direkten Einfluss bei Porsche sichern, ohne dafür angemessen viel Geld in die Hand nehmen zu müssen.

Ohnehin liegt im VW-Konzern und bei Porsche einiges im Argen, was gute Unternehmensführung betrifft. Oliver Blume, ein Vertrauter der Familien, etwa führt beide Unternehmen, obwohl durchaus große Interessenskonflikte bestehen. Was gut ist für Porsche, muss nicht unbedingt gut sein für den viel größeren VW-Konzern. Und wie soll Porsche unabhängiger werden, wenn es keinen unabhängigen Chef gibt?

Aber das interessiert kaum jemanden. Der Porsche-Börsengang dürfte, so sieht es jetzt aus, durchaus ein Erfolg werden. Schon jetzt gibt es Interesse von großen Investoren. Das liegt am Mythos des Unternehmens. Die Sportwagen aus Zuffenhausen sind weltweit begehrt, der legendäre 911er, den es bislang nur mit Benzinmotor gibt, ist für viele ein Sehnsuchtsobjekt. Porsche, das steht nicht für Autos, sondern für Luxus und Träume. Das ist nicht VW, sondern eher Louis Vuitton. Und genau da wollen viele dabei sein.

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