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Peter R. de Vries:Das Millionstel-Problem

Was die Täter stark macht, die den niederländischen Reporter ermordet haben.

Von Detlef Esslinger

Wer die organisierte Kriminalität enthüllen will, lebt grundsätzlich gefährlich; in den Niederlanden ebenso wie in Italien oder Mexiko, und ganz gleich, ob man dies als Journalist, Staatsanwältin oder Richter tut. Peter R. de Vries, der in den Niederlanden so berühmte Kriminalreporter, hat seine Courage mit dem Leben bezahlt. Das Mitgefühl praktisch des gesamten Landes wird der Familie vielleicht etwas Trost sein; wer in diesem Fall der Gute war und wer die Bösen sind, ist offenbar unstrittig, wenigstens das.

So viele Blumen und Kerzen haben die Menschen in den vergangenen Tagen am Tatort in Amsterdam abgelegt, eine anrührende Szenerie. Aber was folgt daraus? Natürlich mag man beklagen, dass es kein grenzüberschreitendes Europäisches Kriminalamt gibt und dass das amerikanische FBI 50-mal so viel Geld hat wie Europol; darauf weisen in Brüssel die Grünen hin.

Stark ist die organisierte Kriminalität, weil die Behörden nicht mithalten können, schon richtig. Sie ist dies aber auch deshalb, weil sie von jedem Kunden einer Zwangsprostituierten und von jeder Kokserin genährt wird. Kein Business ist so weit von Fair Trade entfernt wie das der Drogen. Jeder Konsument hat vielleicht nur ein Millionstel Anteil an der Ermordung von de Vries; es ist ein Millionstel zu viel.

© SZ
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