Profil:George Forsyth

Ehemaliger Fußballprofi, der Präsident von Peru werden will.

Von Christoph Gurk

Dass ein Spiel erst vorbei ist, wenn der Schiedsrichter abpfeift und bis dahin noch viel passieren kann, weiß George Forsyth genau. Früher war der 38-Jährige Fußballprofi in seiner Heimat Peru, bei Alianza Lima, aber auch in Deutschland, wo er für Borussia Dortmund im Tor stand.

Mittlerweile ist Forsyth Politiker und Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen in seiner Heimat. Vor ein paar Monaten lag er noch vorne in den Umfragen, derzeit ist Forsyth an Covid-19 erkrankt, ausgerechnet, und es sind nur noch ein paar Tage bis zur Abstimmung.

25 Millionen Peruaner sind am Sonntag dazu aufgerufen, über ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten abzustimmen, in einer Wahl, die so unvorhersehbar ist, dass das einzig Sichere wohl eine zweite Runde ist. An der Spitze der Umfragen stehen ständig neue Kandidaten, die jeweils aber über kaum mehr als zehn Prozent kommen. Dazu listen die Stimmzettel 18 Bewerber auf, eine linke Psychologin ist unter ihnen, genauso wie ein rechter Populist; es gibt altbekannte Gesichter wie Keiko Fujimori, die wegen Geldwäsche angeklagte Tochter von Ex-Präsident Alberto Fujimori, aber eben auch Kandidaten, die sich als politische Neulinge vermarkten - allen voran Forsyth.

Ganz stimmt das natürlich nicht. Das fängt schon damit an, dass Forsyth aus einer Politikerfamilie stammt. Sein Vater ist Diplomat, Forsyth wurde daher auch in Venezuela geboren, wo sein Vater in der peruanischen Botschaft arbeitete. Die Familie zog oft um, Kanada, Deutschland und Chile, die Heimat seiner Mutter, eines ehemaligen Models mit deutschen Wurzeln, weshalb Forsyth auch manchmal "El Aleman" genannt wird, der Deutsche.

Nach Jahren im Ausland zog die Familie wieder nach Peru. In der Hauptstadt Lima besuchte Forsyth teure Privatschulen, er lebte ein klassisch behütetes Oberschichtsleben, wäre da nicht die Sache mit dem Fußball. Schon als Kind kickte Forsyth, später spielte er für Alianza Lima, einen der besten Vereine Perus. Als Torwart stieg er in den Profikader auf, wurde mehrmals Meister, in der Nationalmannschaft trat er für seine Heimat an, kurz spielte er in Italien, auch in der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund, 2006 wurde er zum besten Torwart Perus gewählt.

Als Bürgermeister setzte er auf eine harte Hand

All das ist beachtlich, aber Forsyth war das nicht genug. Neben seiner Sportlerkarriere bastelte er bald auch an einer in der Politik: 2010 wurde er Gemeinderat von La Victoria, einem Viertel im Zentrum von Lima. 2018 dann trat er dort - höchst erfolgreich - als Bürgermeisterkandidat an, nachdem sein Vorgänger unter Bestechungsvorwürfen aus dem Amt geschieden war.

Forsyth selbst setzte auf eine harte Hand, keine Gnade für Kriminelle und korrupte Politiker. Das kam gut an in einem Land, in dem fast alle Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte wegen Bestechung vor Gericht oder im Gefängnis sitzen. Viele Peruaner haben sich längst enttäuscht abgewandt von so gut wie allen Parteien, dazu kam dann letztes Jahr noch die Pandemie, die Peru schwer getroffen hat.

Forsyth verspricht, Schluss zu machen mit der Kriminalität genauso wie mit der Korruption. Victoria Nacional heißt die Partei, für die er antritt, politisch ist sie ohne klares Profil. Kinder hat Forsyth nicht, seine Ehe mit einer Schauspielerin scheiterte. Den Oberschichtshintergrund will er wettmachen mit seinen Erfahrungen aus dem Sport: Beim Fußball habe er mit Teammitgliedern in der Kabine gesessen, die kaum Geld für ein Busticket gehabt hätten, sagt Forsyth.

Derzeit sind seine Chancen nicht schlecht, an der Spitze der Umfragen steht er aber nicht. Doch aus dem Sport weiß Forsyth eben auch: Eine Partie kann wie eine Wahl mit einem überraschenden Sieg zu Ende gehen. Alles ist möglich, im Fußball genauso wie in der peruanischen Politik.

© SZ/fzg
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