Der Pazifismus hat in der Bundesrepublik eine große und erfahrungsgesättigte Vergangenheit. Er hat aber keine Gegenwart, obwohl oder gerade weil wie entfesselt aufgerüstet wird und die Gefahr eines Atomkriegs so groß ist wie kaum je seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Philosoph Jürgen Habermas beklagte 2023, drei Jahre vor seinem Tod, den „bellizistischen Tenor einer geballten veröffentlichten Meinung“. An diesem Tenor hat sich wenig geändert. Das Wort „Frieden“ gehört kaum noch zum bürgerlichen Wortschatz. Wer pazifistisch redet, wird verspottet – es sei denn, er ist Papst; dann wird er nicht verspottet, sondern nur als Träumer belächelt. Ob der Pazifismus Zukunft hat – wenigstens als Korrektiv gegen die ausufernde Aufrüstung –, das steht in den Sternen.
MeinungBundesrepublikDer Pazifismus hat eine große Vergangenheit – aber keine Gegenwart

Kolumne von Heribert Prantl
Lesezeit: 4 Min.

300 000 Menschen zogen durch Bonn: die große Demonstration der Pazifisten am 10. Oktober 1981.
imago/Klaus RoseEr siecht dahin in einer Zeit, die ihn gut brauchen könnte. Die Zeitenwende war für ihn ein Zeitenende.
