Öffentlich-rechtlicher Rundfunk:Die Chefin geht, der Schaden bleibt

Lesezeit: 1 min

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Einsicht in ein mögliches Fehlverhalten hat die neue Ex-RBB-Chefin Patricia Schlesinger nicht wirklich erkennen lassen.

Einsicht in ein mögliches Fehlverhalten hat die neue Ex-RBB-Chefin Patricia Schlesinger nicht wirklich erkennen lassen.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Patricia Schlesinger ist als RBB-Intendantin zurückgetreten. Also ist alles wieder gut? Kaum. Denn es bleibt ja nicht nur das Bild von einer gut bezahlten Führungskraft, die den Hals nicht voll genug bekommen hat.

Kommentar von Katharina Riehl

Patricia Schlesinger ist nicht länger Intendantin des Rundfunks Berlin Brandenburg, am Sonntagabend ist der Druck dann offenbar doch zu groß geworden. In einem Brief an den Rundfunkrat hat Schlesinger nach dem ARD-Vorsitz vergangene Woche nun auch ihr Amt als Senderchefin zur Verfügung gestellt. Alles gut also? Eher nicht.

Der Fall Schlesinger ist aus vielen Gründen bemerkenswert, einer davon spiegelte sich sehr deutlich im Schreiben zu ihrem Rücktritt. "Persönliche Anwürfe und Diffamierungen" hätten, so heißt es darin, "ein Ausmaß angenommen, das es mir auch persönlich unmöglich macht, das Amt weiter auszuüben". Besonders zerknirscht klingt das nicht, eher nach den Worten einer Person, die sich zu Unrecht verdächtigt und aus dem Amt gedrängt fühlt.

Schon seit erste Berichte über Schlesingers mögliche Verfehlungen, über rabattierte Dienstwagen, falsch abgerechnete Essen in ihrer Privatwohnung oder Beraterverträge im Zusammenhang mit dem geplanten digitalen Medienhaus des RBB veröffentlicht wurden, wirkte Schlesinger eher trotzig denn aufklärungswillig. Die Sondersitzung des Brandenburger Landtags, wo über ihren Fall debattiert werden sollte, schwänzte sie. Das Ergebnis ihrer zumindest nach außen hin mangelnden Aufklärungsbereitschaft war, dass immer neue Details ans Licht gezerrt wurden, am Wochenende dann noch eine Gehaltserhöhung und ein edler Parkettboden fürs Büro. Immer ein neues peinliches Scheibchen Skandal - und alles in allem eine wirklich würdelose Geschichte.

Wenn ein System so grundsätzlich unter Druck steht wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, wenn in Teilen der Öffentlichkeit und der politischen Landschaft die Unterstützung schwindet, dann könnte nichts verheerender sein als ein Fall wie dieser. Eine gut bezahlte Führungskraft, so muss es ja wirken, die den Hals nicht voll bekommt. Die ein mit öffentlichem Geld finanziertes System ausnutzt, um noch mehr für sich rauszuholen.

Ob es tatsächlich so war, ob sie sich auch juristisch wird verantworten müssen oder nur moralisch, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Für das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der wieder einmal selbst Objekt der kritischen Berichterstattung wurde, ist das allerdings schon fast egal.

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