Gesellschaft:Lasst sie endlich feiern

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Unter dem Motto Alle in einem Boot die Zweite Rave-o-lution! demonstrieren Mitglieder der Berliner Party- und Klubszene

Die Clubszene in Berlin verlagert die Party ins Wasser.

(Foto: Ben Kriemann/imago images)

Die Jungen sind jetzt Wochenende für Wochenende auf den Straßen und in den Parks. Einen anderen Ort zum Feiern können ihnen die Städte nicht bieten. Ernsthaft?

Kommentar von Marija Barišić

Der Sommer ist da, die Inzidenzwerte sind unten, den jungen Menschen reicht es jetzt mit Daheimhocken. Ein junger Mann aus Hamburg drückte es am Sonntag in den "Tagesthemen" so aus: "Wir müssen auch einfach leben." Da die Clubs fast überall zu sind, bleiben ihnen nur die Straße und die Parks - etwas Besseres kann ihnen die Politik nach anderthalb Jahren Pandemie nicht bieten. Ernsthaft?

Wozu das führt, konnte man auch an diesem Wochenende in ganz Deutschland beobachten: Tausende junge Menschen strömten auf die öffentlichen Plätze, betranken sich teils exzessiv, und zogen damit den Unmut der Anrainer und der Polizei auf sich. Die versuchte, aggressive Gruppen aufzulösen, die mit Glasflaschen nach ihnen warfen. Nun melden sich überall wieder die Polizeipräsidenten und Bürgermeisterinnen zu Wort. Man verstehe die Jugend, heißt es. Aber die Anrainer hätten ein Recht auf Schlaf und die Polizei müsse über die Corona-Regeln wachen. War es das mit den öffentlichen Bekundungen von Empathie? Vielleicht sind sie tatsächlich ernst gemeint, ernst nehmen kann man sie jedenfalls nicht.

Die jungen Menschen sind die Vergessenen dieser Krise

Seit Beginn der Pandemie werden junge Menschen nur dann angesprochen, wenn es darum geht, an ihre Eigenverantwortung zu appellieren. Sie sind die Vergessenen dieser Krise. Die Politik kann froh sein, dass sie das bisher nur in Form von wilden Partys zu spüren bekommt.

Nein, das heißt natürlich nicht, dass es in Ordnung ist, auf Fassaden zu urinieren oder Glasflaschen auf Polizistinnen und Polizisten zu werfen. Die Eskalation wäre aber vermeidbar, wenn sich alle Kommunen endlich Gedanken über Alternativen machen würden.

Gut wäre es zum Beispiel, am Wochenende Flächen zu reservieren: am Stadtrand oder auf Straßen, die nicht bewohnt sind - in München wird dies nun für die Ludwigstraße erwogen, die von der Feldherrnhalle ins Univiertel führt. Gegen Vorlage eines negativen PCR-Tests oder eines Impfnachweises könnte auf so einem Gelände vielleicht sogar wirklich ausgelassen gefeiert werden. Schließlich ist Ansteckung im Freien nach aktuellem Wissensstand nahezu ausgeschlossen. Die niedrigen Infektionszahlen kommen begünstigend hinzu. Wichtig ist jedoch, dass eine Straße nicht einfach für die Jugendlichen freigehalten wird, sondern dass dort etwas geboten ist: Freiluftveranstaltungen, mit Schankständen und Musik. Andernfalls wird sie nicht angenommen.

Die Stadt Wien zeigt, wie es ginge

Eine andere Möglichkeit wäre die schrittweise Öffnung von Clubs, die sich zum Teil längst eigene Hygienekonzepte überlegt haben, mit Apps zur Kontaktverfolgung, Belüftungsanlagen oder Teststraßen für ihre Gäste. Klar, Innenräume stellen immer noch ein erhöhtes Risiko dar, aber kontrollierte Partys in Clubs sind besser als unkontrollierte in Wohnungen.

Ein Blick ins Nachbarland Österreich könnte zurzeit tatsächlich inspirierend sein. Für Genesene und Geimpfte will die Stadt Wien von Juli an erstmals ihre Clubs öffnen. Dazu läuft nun eine Impfaktion für junge Menschen zwischen 18 und 30. Sie haben ab sofort die Möglichkeit, sich die One-Shot-Impfung von Johnson & Johnson spritzen zu lassen.

Warum gibt es ähnliche Aktionen nicht auch hier? Abgesehen davon, dass sie Club-Öffnungen erleichterten, könnten sie auch helfen, das angeknackste Vertrauen der Jugend in die Politik zu stärken. So oder so braucht es Lösungen, und zwar jetzt. Der Sommer hat erst angefangen.

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