Papua-Neuguinea:Das Spiel mit den Informationen

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Papua-Neuguinea: James Marape, Premierminister von Papua-Neuguinea, hier im Jahr 2019.

James Marape, Premierminister von Papua-Neuguinea, hier im Jahr 2019.

(Foto: JOEL CARRETT; via www.imago-images.de/imago images / AAP)

Der Premierminister von Papua-Neuguinea, James Marape, hat den Medien per Anzeige mitgeteilt, dass sie ihn künftig nicht mehr direkt kontaktieren sollen.

Kommentar von David Pfeifer

Journalisten können Nervensägen sein, sie stellen doofe Fragen und futtern auf Empfängen die Häppchen weg. Man kann als Journalistin oder Journalist auch verstehen, dass Amtsinhaberinnen und Bedeutungsträger da keine Lust drauf haben. Der relativ frisch gewählte Regierungschef von Papua-Neuguinea, James Marape, 51, ließ nun jedoch zwei Anzeigen schalten, in denen er "Mitglieder der Medienbranche", national und international, dazu auffordert, ihn nicht mehr direkt zu kontaktieren, so berichtet es der britische Guardian.

Die Wahlen in dem pazifischen Inselstaat gehören zu den schwierigsten der Welt

"Der Premierminister war entgegenkommend und hat seit seinem Amtsantritt im Jahr 2019 offen auf unsere Medien reagiert", heißt es weiter. "Wir würden diese Partnerschaft gerne fortsetzen, indem wir Ihre Anfragen an unsere zuständigen Ministerien vereinfachen." Das kann man einerseits gut nachvollziehen. Es kann ja auch nicht einfach jede oder jeder bei Olaf Scholz direkt durchklingeln oder ihm Whatsapps schicken. Politiker geben allerdings häufig ihre Kontaktdaten an Vertreter der Medienbranche raus, weil sie selbst ein Interesse an sogenannten Hintergrundgesprächen haben oder eine Einschätzung der politischen Lage lancieren wollen. So war es auch bei James Marape, bis er am 9. August zum zweiten Mal als Premierminister vereidigt wurde, nach wochenlangen Stimmabgaben und Wahlverzögerungen.

Die Wahlen in dem pazifischen Inselstaat, der erst seit 1975 von Australien unabhängig ist, gehören zu den schwierigsten der Welt. Unter anderem wegen der Geografie, der schlechten Verkehrsinfrastruktur und der sprachlichen und kulturellen Vielfalt. Es leben neun Millionen Menschen in Papua-Neuguinea, die mehr als 800 Sprachen sprechen. Laut internationalen Beobachtern und lokaler Presse wurde der Urnengang begleitet von Gewalt in Wahllokalen, Betrugsvorwürfen und 50 Todesfällen.

Das neue Parlament trat bereits zusammen, als die Auszählung der Stimmen noch andauerte. James Marape wurde mit 97 Stimmen ohne Gegenstimme zum Premierminister gewählt, sein Vorgänger und einziger Gegenkandidat, Peter O'Neill, verließ aus Protest den Saal. In seiner anschließenden Rede entschuldigte sich Marape bei den Menschen, die aufgrund von Problemen mit dem Wählerverzeichnis vor den Wahllokalen abgewiesen worden waren. Es gibt dazu durchaus noch ein paar Fragen, die man ihm gerne gestellt hätte.

Das Medienteam des Premierministers rief die politischen Journalisten nun aber in einer Whatsapp-Gruppe dazu auf, "für das Wohl unseres Landes zu arbeiten". In dieser Gruppe wurde obendrein gewarnt, dass die Regierung bei Nichtbeachtung den Zugang zu den Pressekonferenzen Marapes beschränken würde. Weiter hieß es: "Medien, sie machen oder brechen Führer und zeichnen ein gutes oder schlechtes Bild von ihrem Land und dem unserer Kinder." Das folgt dem allgemeinen Trend im pazifischen Raum, Journalisten kontrollieren zu wollen.

Im Mai war Wang Yi, Außenminister von China, in der Region unterwegs und es häuften sich die Beschwerden bei Amnesty International, dass Journalistinnen und Journalisten daran gehindert wurden, bei den Besuchen Fragen zu stellen. Im August stellte die Regierung der Salomonen eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt unter ihre Kontrolle, um Nachrichten vor der Ausstrahlung zu überprüfen. Ausländische Medien sollen aus dem Land verbannt werden. In den Wochen zuvor war international kritisch über ein Sicherheitsabkommen der Salomonen mit China berichtet worden, mit dem Peking offensichtlich seinen Einfluss in der Region ausbreiten will.

In der Anzeige von James Marape hieß es nun weiter, dass alle Anfragen schriftlich an sein Medienbüro zu richten seien, dessen E-Mail-Adressen aufgeführt wurden. Auf die E-Mail der SZ mit der Bitte um eine Stellungnahme zu der Sache kam bis Redaktionsschluss keine Antwort.

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